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Ja, ja, ja; ich weiß, dass Patrizier im Jahre 1992 heraus gekommen ist und ich weiß auch, dass das Spiel stolze 17 Jahre auf dem Buckel hat. Ist mir egal; Patrizier ist eines der besten Computerspiele aller Zeiten und es verdient eine Würdigung. Es mag grafisch nicht auf dem neuesten Stand sein, aber was nützt die schönste Grafik, wenn die Spielidee scheiße ist. Patrizier ist die ultimative Handelssimulation.
Sie hat eine schlauere KI als der ganze neumodische Schnickschnack und ist historisch so akkurat recherchiert; da stimmen sogar die jeweiligen Gerichte im Rathauskeller. Wem Spielspaß wichtiger ist als optische Aufmachung, der wird Patrizier lieben. Ich gebe dem Spiel bis heute die Schuld, dass ich an der Uni durch die Physikprüfung gefallen bin. Der Suchtfaktor ist hoch.
Installation: Ich mag alt und ewig gestrig sein, aber selbst ich habe mich dem Fortschritt nicht so weit verschlossen, dass ich noch einen DOS Rechner hätte. Es mag nicht ganz einfach sein, aber man bekommt Patrizier auf einem XP Rechner zum Laufen. Man muss nur wissen wie.
Was ihr dazu braucht ist ein kleines Tool, das da heißt DOSBox. Es emuliert eine DOS-Umgebung auf dem Rechner, in der im Prinzip jedes beliebige DOS Programm gestartet werden kann. Lange funktionierte das zwar gut nur leider nicht mit Patrizier. Die Mausunterstützung fehlte und damit war das Spiel praktisch unspielbar. In der aktuellen Version 0.72 wurde das Problem behoben und damit haben wir endlich wieder Gelegenheit, mit Koggen, Kraiern, Holks und Schniggen auf große Fahrt zu gehen.
Vermutlich habt ihr das Spiel irgendwo als ZIP oder RAR Datei. Entpackt es einfach in einen Ordner. Viel zu installieren gibt es da nicht.
Zum Thema DOSBox noch eine kurze Erläuterung. Es soll ja Leute geben, die nicht mit DOS aufgewachsen sind und eine Prompt gesteuerte Umgebung nicht bedienen können.
Ihr startet DOSBox von XP aus, es öffnet sich ein schwarzes Fenster mit einem blinkenden Cursor vor einem z:\>. Keine Angst, der beißt nicht und euer Computer ist auch nicht kaputt. So bediente man früher PC's. Man tippte einen Befehl ein und der Computer führte ihn aus. Für DOS brauchte man im Allgemeinen keine Maus.
Bevor es richtig losgehen kann, müsst ihr in DOSBox ein Laufwerk erstellen. Das ist kinderleicht. Um es richtig zu machen, müsst ihr nur wissen, auf welchem Laufwerk das Spiel liegt.
Ich zum Beispiel haben einen Ordner mit allen Dos-Programmen, den ich der alten DOS Konvention folgend "dosprogs" genannt habe: keine Leer- oder Sonderzeichen und maximal 8 Stellen. Mehr konnte DOS nicht wie ihr gleich feststellen werdet und mit Sonderzeichen hatte es DOS auch nicht so.
Der Ordner liegt bei mir auf Laufwerk F. Ich tippe also ein: mount c: f:\dosprogs
Wenn ihr ein deutsches Keyboard habt, werdet ihr sehen, dass das einfacher gesagt als getan ist. Um die Zeile oben zu bekommen tippt ihr also: mount c f Shift+ö # und dann den Ordnernamen Das Ganze hat mit dem installierten Zeichensatz zu tun.
Als Nächstes wechselt ihr auf das firsch angelegte Laufwerk C. Dazu tippt ihr: c: (den : bekommt ihr wenn ihr mit Shift+ö)
Wenn ihr jetzt tippt: dir seht ihr alle Verzeichnisse auf dem Laufwerk. Eins davon heißt PATRIC~1 oder PATRIZ~1, je nachdem wir ihr den Ordner benannt habt. Und da seht ihr auch gleich, was ich vorhin mit Längen und Sonderzeichen meinte. Es wird also nicht der Windowsname angezeigt, sondern was DOS aus einem nicht konformen verzeichnisnamen macht.
Um in das Verzeichnis zu kommen, tippt ihr: cd PATRIC~1. Dieses komische Sonderzeichen findet ihr auf der Tastatur links neben der 1. Ihr müsst wiederum die Shift-Taste gedrückt halten. Wenn das geklappt hat steht da jetzt als Prompt: c:\ PATRIC~1>. Wenn ja, könnt ihr loslegen. Einfach START eingeben und es geht ab.
Gameplay
Das Spiel versetzt euch in die Zeit der Hanse. Das war ein mittelalterlicher Verbund von Städten vor allem im Ostseeraum. Hauptstadt des Hansebundes war Lübeck. Die Bürgermeister der Hansestädte trafen sich in regelmäßigen Abständen, um Probleme zu besprechen und auch Politik zu machen. Dieser Aspekt ist im Spiel sehr gut reflektiert.
Das langfristige Spielziel ist, Eldermann des Hansebundes zu werden. Der Eldermann ist der Vorsitzende des Rates. Dazu müsst ihr euch zunächst einmal zum Bürgermeister aufschwingen und das ist gar nicht so leicht, wie es klingt.
Zu Beginn des Spieles müsst ihr einen Heimathafen festlegen. Dort ist dann auch euer Kontor. Die Wahl kann hinterher korrigiert werden, aber ihr solltet euch gleich richtig festlegen. In den großen Zentren wie Lübeck ist schwerer, Bürgermeister zu werden, dafür sind es relativ sichere Häfen und reiche Städte. Der Handel ist also leichter.
Als Anfangsgeschenk bekommt ihr ein Schiff (bzw. 2 im schnellen Spiel). Jetzt müsst ihr erstmal Geld verdienen. Dazu handelt ihr mit Waren, was ohne Geld natürlich schwierig ist. Ihr geht also erstmal zum Geldverleiher. Den findet ihr in der Hafenansicht über der Kneipe.
Der wichtigste Schritt ist nun, herauszufinden, welche Ware sich lohnt zu handeln. Das Thema ist ziemlich komplex, ich mache es also mal an einem Beispiel. Was in den einzelnen Städten billig ein- und teuer zu verkauen ist, bekommt ihr im Laufe des Spiels mit. Ich kann euch aber sagen, was ich für den optimalen Start halte.
Mein Heimatkontor ist traditionell Hamburg. Ich halte es für den optimalen Heimathafen und das gleich aus mehreren Gründen. Hamburg ist nicht ganz so schwer wie Lübeck, was das Karriere machen angeht, es ist trotzdem groß genug, reich genug und nicht zuletzt strategisch günstig gelegen. Es gibt einen Landweg nach Lübeck, ihr müsst mit den Schiffen also nicht durchs Skagerrak. Das spart viel an Reparaturkosten, außerdem ist die enge Passage bei Piraten beliebt. Der Landweg ist schnell und sicher. Ihr solltet im weiteren Verlauf allerdings ein Warenhaus in Lübeck bauen, ansonsten fressen die Lagerkosten den Gewinn auf.
Also zum Start: Beim Geldverleiher war ich, Besatzung habe ich in der Kneipe angeheuert. In meinem Kontor in Hamburg kaufe ich 28 Lasten Bier. 28 Lasten ist die maximale Kapazität des Kraiers, den ihr am Anfang bekommt. Mein erstes Ziel heißt Brügge. (Ihr müsst auf die Seekarte klicken (oder F1) und dann auf den Zielort. Brügge ist ganz links unten).

In Brügge verkaufe ich das Bier, hole mir noch etwas mehr Geld und dann knalle ich den Kraier voll mit Wein. So beladen geht es nach Nowgorod. Dort verkauft ihr den Wein und lasst das Schiff in der Werft überholen. Das sollte ihr regelmäßig machen. In Nowgorod kauft ihr Felle und bringt die zurück nach Brügge. Der Gewinn lohnt die weite Reise.
Das Spiel könnt ihr ein paar Mal wiederholen, vergesst aber nicht, eure Schulden zurück zu zahlen! Sobald ihr etwas mehr Geld auf dem Schiff habt, fahrt in euer Heimatkontor und klickt das kleine Buch an. Dann überweist Geld auf euer Kontorkonto. Auf die Art ist es sicher und auch die Geldverleiher können eventuell vergessene Schulden dort abbuchen. Ansonsten kann es passieren, dass euer schiff beschlagnahmt wird.
Von da ab, kommt ihr selber klar. Erkundet die Ost- und Nordsee, baut mehr Schiffe und treibt Handel. Ab und zu solltet ihr ne Party in eurer Heimatstadt veranstalten. Dazu müsst ihr Essen und Trinken im Warenhaus haben!
Um politisch weiterzukommen, müsst ihr zunächst der Gilde betreten (teurer Spaß) und dann in der Kirche spenden. Ihr kriegt den Dreh schon raus. Regelmäßig speichern nicht vergessen. Im weitern Verlauf des Spieles gibt es mehr und mehr Piratenaktivitäten, Stürme die eure Schiffe versenken und Banditen, die eure Heimatstadt belagern. Seid wachsam!
Ein kleiner Spieltipp noch: Die F-Tasten sind Shortcuts. F1 zum Beispiel bringt euch zur Seekarte, F2 in die Werft, F3 direkt in euer Büro.
Viel Spaß bei Patrizier!
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Comments
Ich bin so geplättet, Patrizier ist echt schlecht erklärt.
für 50 €, dann das alte Spiel neu verkauft und jetzt funzt nichtmal die Ware ins Kontor.
Vllt kannst du mir ja helfen, du scheinst schon länger zu spielen
Ware kommt nicht ins Kontor sondern ins Lagerhaus. Lager musst du mieten, kaufen oder bauen. Mieten kann teuer werden, für leer stehende Lager kriegst du Kohle. Es lohnt sich also, zu bauen. Ab und zu schlagen allerdings Feuer zu. Das kann teuer werden. Pack nicht zu viele Eier in ein Nest.
Wenn du ins Lager gehst, kannst du vom Schiff ins Lager, umgedreht, in Hamburg und Lübeck auch in den Wagen packen. Einfach links die Ware auswählen und dann rechts die Stückzahl eingeben.
erich
danke