Der keltische Tiger lahmt nicht mehr
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SchwachPerfekt 

Tigergebiss (Quelle: Wikipedia)Wer ernsthaft denkt, dass der keltische Tiger lahmt, hat entweder keine Ahnung oder ist ein hoffnungsloser Schaumschläger und Euphemist. Den Zustand des keltischen Tigers kann man bestenfalls als kritisch bezeichnen, angebrachter wäre aber, sich aus dem Sprachwortschatz der Pathologie zu bedienen. Es hat sich ausgetigert. Plusquamperfekt, abgeschlossene Vergangenheit.

Irland ist innerhalb weniger Monate vom Vorzeigeland zum Sanierungsfall geworden. Der Immobilienmarkt ist zusammen gebrochen, die Arbeitslosenquote explodiert und ganz folgerichtig steigt auch die Staatsverschuldung in schwindelerregende Höhen. Es ist wie überall nur viel, viel schlimmer. Unnötig zu erwähnen, dass auch hier die Banken im Epizentrum des Bebens standen mit dem kleinen Unterschied halt, dass die irischen Tochtergesellschaften - gegründet ausschließlich wegen der laxen Bankenaufsicht - ihre Muttergesellschaften im Ausland gleich mit in den Abgrund gerissen haben. Die Depfa ist da nur ein Beispiel, wenn auch ein extremes. Wie die HRE, die in ihren besten Tage vielleicht 4 Mrd. Euro Wert war, über 100 Mrd. in den Sand setzen kann, wird sich mir aber nie erschließen. Ich bin natürlich aber auch kein Banker.

Irland hat also leichte Probleme im Moment und die lassen sich in Zahlen ausdrücken. Das Staatsdefizit wird bis Ende des Jahres wohl 11 Prozent erreichen. Das ist eine Angst einflößende Zahl. Der Maastrichter Vertrag begrenzt diese Zahl ja nicht umsonst auf 3 Prozent. Alles was darüber liegt, ist eine Katastrophe und gefährdet die Stabilität eines Landes nachhaltig. Nächstes Jahr wachsen die Probleme schließlich, da dann auch noch die Zinsen für die dieses Jahr aufgenommenen Schulden bezahlt werden müssen. Wäre es nicht Mitglied des Euroverbundes, Irland wäre längst bankrott. Die Isländer werden da neidisch schauen.

Die Immobilienpreise sind in den letzten 12 Monaten zweistellig gefallen. Für Leute wie mich sind das gute Neuigkeiten. Noch in 2006 wurden in Irland Fantasiepreise für Häuser aufgerufen, man fühlte sich wie an der Cote de Azur bei den Reichen und Schönen. Selbst komplette Bruchbuden in nicht so tollen Vororten gingen am Ende für 450.000 Euro über den Tisch. Das konnte sich einfach kein Mensch mehr leisten. So gesehen, ist es natürlich gut, dass diese Blase platz. Leider gibt es einen unangenehmen Nebeneffekt. All diese Häuser wurden auf Kredit gekauft und die Höhe derselben sinkt natürlich nicht in dem gleichen Maße; ganz im Gegenteil. Das Haus galt als Sicherheit für den Kredit. Da es nun deutlich weniger wert ist, sinkt auch die Kreditwürdigkeit. Wenn dazu noch der Hauptverdiener seinen Job verliert, ist die Katastrophe da.

Da es weniger Arbeit gibt, verlassen auch viele Ausländer Irland. Das hat Auswirkungen auf den Mietmarkt. Ein beliebter Trick war, 2 Häuser zu bauen und eins zu vermieten. Auf die Art zahlte jemand anders für einen den Kredit ab. Die Mieten waren astronomisch, das System funktionierte also ganz gut. Nun ja, die Zeiten ändern sich. Da es deutlich weniger Mieter gibt, gehen die Mieten nach unten und ganz plötzlich realisieren die Leute, dass sie sich finanziell verhoben haben. So etwas passiert sicher in vielen Ländern, in Irland ist es halt die Regel und nicht die Ausnahme. Konsum wurde auf Kredit bezahlt und das rächt sich nun.



Das allergrößte Problem ist jedoch die rasant steigende Arbeitslosigkeit. Irland ist eines der teuersten Länder Europas. Das schlug sich schließlich auch auf die Arbeitskosten nieder. Irland hat mit den höchsten Mindestlohn in Europa (8.65 €) und so nutzen viele der hier niedergelassenen Großkonzerne die "Gunst der Stunde" und schlossen ihre Niederlassungen.

Die Gründe, warum sich Firmen wie DELL, Intel, IBM, Xerox und Hewlett Packard ihre europäischen Hauptquartiere in Irland errichteten, in etlichen Fällen sogar in Irland produzierten, existieren einfach nicht mehr. Bedingungen wie einst in Irland finden sich jetzt in Osteuropa und so zieht die Karawane weiter. Das ist ein Riesenproblem für Irland. Trotz etlicher Warnschüsse hat sich das Land auf diese Entwicklung nicht eingestellt und jetzt sind die Gesichter lang. Für fast eine Dekade hatte Irland Vollbeschäftigung und entsprechend volle Kassen. Das Geld ist weg und guter Rat teuer.

In einer ersten Reaktion hat die Regierung die Steuern erhöht. Das hilft natürlich nicht wirklich, wenn kein Mensch mehr arbeitet. Außerdem ist Irland recht klein. Wenn Deutschland 10 Milliarden in den Sand setzt, ist es zwar schlimm aber nicht dramatisch, wenn man aber nur etwa 4.5 Millionen Einwohner hat und eine arbeitsfähige Bevölkerung von 1.8 Millionen, dann sind das pro Kopf schon über 5.500 Euro die man über Steuern wieder reinholen muss. Von denen, die die Krise verschuldet haben, ist jedenfalls nichts zu erwarten.

Die meisten der Immobilienhaie sind pleite, da sie Neubauprojekte über windige Finanzierungen gestemmt haben. Da die Banken kaum noch Kredite vergeben, zahlen sie auch keine Steuern. Ganz im Gegenteil; da deren Keller zu klein wurden, haben sie ihre Leichen überall vergraben. Was also ist zu tun?

Ich habe ja so ein bisschen die Befürchtung, dass Irland die Lösung der finanziellen Probleme angeht wie in der Vergangenheit öffentliche Bauaufträge. Die hat man nämlich über das Geld der anderen finanziert. Wenn man sich so umschaut, bekommt man den Eindruck, dass der deutsche Steuerzahler mehr für Straßenbau in Irland ausgegeben hat als daheim. Der Strukturfond der EU macht’s möglich. Die Schilder mit dem Hinweis, dass dieses Projekt mit Hilfe des Europäischen Strukturfonds realisiert wurde, sieht man jedenfalls allerorten.

Es würde mich überraschen, wenn der Lissabon Vertrag im Herbst wieder durchfällt aber wir werden sehen.

 

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By PLAVEB