Nachricht
  • EU e-Privacy Directive

    This website uses cookies to manage authentication, navigation, and other functions. By using our website, you agree that we can place these types of cookies on your device.

    View e-Privacy Directive Documents

Die spinnen, diese Engländer
Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 

Andere Länder, andere Sitten; ich kenne den Spruch. Trotzdem finde ich die Engländer manchmal etwas seltsam. Nun wird da umgedreht genauso ein Schuh draus, doch dieses Mal habe ich einen echten Grund, mich zu wundern.

Ein Dorito Hersteller startete kürzlich eine Umfrage, um eine neue Geschmacksrichtung zu bewerben. Da es sich bei dieser neuen Geschmacksrichtung um eine Mystery Brezel handelte, wurden die Briten gefragt, was sie denn für das größte Rätsel der vergangenen 100 Jahre halten.

Da gibt es nun sicher eine Reihe von Kandidaten, JFK wäre in den meisten Ländern wohl ganz oben, der UFO Absturz von Rosswell vielleicht oder irgendetwas mit Vatikan und/oder Illuminati. Ich rate hier.

Interessant ist nun, was die Engländer am meisten beschäftigt. Mit weitem Abstand an der Spitze war das: Die wahre Identität des STIG.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie populär die Sendung Top Gear in Deutschland ist, so gesehen, muss ich das vielleicht erläutern.

Die BBC – und in der Hinsicht ist die etwas anders als die deutschen öffentlich Rechtlichen, die sich einen Dreck darum kümmern was die Gebührenzahler sehen wollen – produzieren traditionell auch Shows, die einfach unterhaltsam sein wollen und ohne irgendeinem herbei geredeten Qualitätsanspruch zu folgen. Wenn man die Leute schon per Gesetz zwingt, für ein Fernsehprogramm zu zahlen, sollte man sich halt etwas Mühe geben. ARD und ZDF sehen das bekanntlich anders, aber deswegen sind sie auch so unglaublich beliebt bei Leuten unter 100.

Top Gear ist ein typisches Beispiel für eine solche BBC Produktion. In der Show geht es um Autos und soweit so gut. Die Show – in ihrer jetzigen Gestalt – wird moderiert von Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May. Vor allem Clarkson ist ein sogenannter Petrol Head, ein Autonarr. Ihm können Motoren nicht groß genug sein, Verbrauch und Praktikabilität spielen bei den Tests nicht die geringste. Top Gear Philosophie ist es, dass Autos Spaß machen sollen.

Da wird munter gegen Wohnmobile gewettert, schwachsinnige Busspuren auf Autobahnen werden durch den Kakao gezogen, Verkehrspolitiker beleidigt und – wenn sie sich gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen aussprechen – auch mal in den Himmel gelobt. Die Sendung ist so politisch unkorrekt wie es nur geht, und Clarksons verbale Entgleisung schaffen es regelmäßig in die News. Ich vermute, die BBC unterhält eine eigene Beschwerdestelle nur für diese Sendung. Ich liebe Top Gear.


Neben den mehr oder weniger schwachsinnigen Autotests – deutsche Hersteller fallen regelmäßig durch, weil die Autos perfekt funktionieren
veranstalten die Drei auch immer wieder Rennen. Eines der spektakulärsten Rennen aller Zeiten ging zum magnetischen Nordpol. Kein Witz! Hammond trat im Hundeschlitten gegen Clarkson und May einem speziell umgebauten Toyota Hilux an. Das Auto gewann und die beiden bekame die ersten Menschen, die jemals einem Automobil den Pol erreichten.

Clarksons Kommentar zu dem Ganzen werde ich hier nicht verratenn, aber er war preisverdächtig. In Deutschland wäre er dafür öffentlich gekreuzigt worden, die BBC ließ es durchgehen.

Die Episode gibt es übrigens als DVD: Top Gear - The Great Adventures. Ich kann den Kauf allerwärmstens empfehlen.


Bei einem anderen Rennen, trat der Bugatti Veyron gegen das Flugzeug an (und gewann), Ferrari Daytona gegen ein Speedboot (der Ferrari verlor) oder der Nissan GTR gegen den Shinkansen einmal quer durch Japan (das Auto gewann). Das Schema ist immer ähnlich. Die Rennen sind durchgeknallt und unterhaltsam. Spätestens wenn Clarkson dann gegen die tree hugger wettert, ist klar, dass die Briten etwas lockerer drauf sind, als die deutschen Öffentlich Rechtlichen. Bei ARD und ZDF wäre die Sendung wahrscheinlich nach einer Folge abgesetzt worden.


Top Gear hat auch eine eigene Rennstrecke, auf der Autos getestet werden. Die Bewertungen sind den Herstellern sehr wichtig. Immerhin ist die Sendung mittlerweile ein weltweites Phänomen mit angeblich 350 Millionen Zuschauern.

Um realistisch zu testen, haben die Macher einen professionellen Rennfahrer angeheuert. Das ist der "zahme Rennfahrer" (tame racing driver) THE STIG. Niemand weiß, wer sich hinter der Maske versteckt (oder besser unter dem Helm) und die Spekulationen darüber sind so alt wie die Sendung selbst. So gesehen sollte es vielleicht nicht überraschen, dass die wahre Identität des STIG die Briten mehr interessiert, als das Ungeheuer von Loch Ness, JFK, Marilyn Monroe, Bigfoot oder das Bermuda Dreieck, trotzdem bleibt es natürlich seltsam.


Interessant von deutschem Standpunkt ist, dass, als STIG in der letzten Staffel angeblich enthüllt wurde, unter dem Helm kein Anderer als der größte Rennfahrer aller Zeiten Michael Schumacher steckte. Auf den hatte ich eigentlich auch gewettet. Am Ende wurde es dann aber doch offen gelassen, ob es nun ein Gag war oder nicht.





Comments

Name *
Email (For verification & Replies)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Submit Comment
 

By PLAVEB