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Spesenskandal erschüttert England
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Großbritannien durchlebt zurzeit einen der größten politischen Skandale seiner Geschichte. Auf Betreiben einer missgünstigen Gruppe skrupelloser Journalisten mit ganz offensichtlich sehr viel mehr Zeit als Verstand mussten die Spesenabrechnungen der höchst ehrenwerten und frei gewählten Volksvertreter des britischen Unterhauses veröffentlicht werden. Als wenn wir keine anderen Probleme hätten!

Seit der Offenlegung werden die einzelnen Abrechnungen für durch die mühsame Regierungsarbeit entstandene Zusatzkosten kontrovers diskutiert und in aller Öffentlichkeit breit getreten. Das Ergebnis ist sehenswert und bestätigt einmal mehr, was der höchst ehrenwerte „Speaker“ – das ist so etwas wie der geschäftsführende Vorsitzende des britischen Unterhauses – schon immer propagiert: Das gemeine Volk sollte in Regierungsfragen besser im Dunklen belassen werden. Von Hochfinanz verstehen die einfach nichts.


Gleich reihenweise treten zurzeit all die Volksvertreter zurück, deren Spesenabrechnungen in den Zeitungen zerpflückt wurden. Am Ende wurde es selbst dem Speaker, dem wirklich allerhöchst ehrenwerten Michael Martin, zu bunt und er räumte (manche sagen nicht ganz freiwillig aber das glaube ich einfach nicht) seinen Platz. Was für ein Verlust? Der Mann war wirklich eine Offenbarung und ich habe so manche Träne (vor Lachen) vergossen, wenn er wieder einen seiner legendären Auftritte im Unterhaus hinlegte.

Sollten Sie nie einer Debatte im britischen Unterhaus gefolgt sein, es geht dort etwas anders zu als zum Beispiel im Deutschen Bundestag. Die Abgeordneten des Unterhauses sitzen auf Bänken um einen Tisch, an den sie abwechselnd treten und sich einen offenen Schlagabtausch liefern. Ganz britisch geht es dabei zumeist sehr zivilisiert, vor allem aber unterhaltsam zu. Eloquenz und Schlagfertigkeit sind unerlässliche Tugenden, will man auf dieser Bühne bestehen. Stellen Sie sich einfach Joschka Fischer zu seinen besten Zeiten vor und übertragen Sie es auf einen britisch distinguierten Gentleman. Für Freunde der englischen Sprache ist es ein echter Genuss, einer solchen Debatte zu folgen.


Was also ist passiert? Nun ja, einige Kleingeister echauffierten sich über gewissen Dienstleistungen, die von ihren gewählten Volksvertretern unter Ausgaben oder wie wir es nennen wir es nennen würden „Spesen“ gelistet waren.

Sir Peter Viggers zum Beispiel; in einer früheren Karriere Minister für Nordirland und heute MP (Members of Parliament) für seinen Landkreis Gosport. Der von uns allen geschätzte und wohl respektierte Sir Peter entdeckte seine Liebe für den Tierschutz. Damit die Bewohner seines Ententeichs nicht länger mit der ständigen Bedrohung durch Füchse (und vermutlich auch hungrige Bauern) leben müssen, baute er dem lieben Federvieh eine kleine Enteninsel inmitten des Ententeichs. Die erstaunlich moderaten Kosten dieser Maßnahme, wir reden hier gerade einmal über 32000 Britische Pfund für Gartenarbeiten, ließ er sich – und wie wir denken völlig zu Recht - vom Steuerzahler erstatten. Warum auch nicht? Soll er das etwa aus eigener Tasche bezahlen? Das kann  sich ein Einzelner doch gar nicht leisten!

Wenn auch nur aus der Ferne so kann sich schließlich auch die Allgemeinheit an der Schönheit dieses Ententeiches erfreuen und der Entenschutz genießt irgendwie ja auch eine hohe Priorität. Obwohl er bei den überwiegenden Mehrheit der ehrlichen Steuerzahlern sich auf Verständnis und Zustimmung stieß für diese kleine „Ausgabe“, zwang ihn sein missgünstiger Parteivorsitzender zur nächsten Wahl abzudanken. David Cameron, das wirst du noch bitter bereuen!


Fast noch schockierter als über den Fall Sir Peter bin ich allerdings über den politischen Wirbelsturm, der über den von mir auch persönlich sehr hoch geschätzten, ehemaligen Landwirtschaftsminister Douglas Hogg hereinbrach. Als Minister AD und mit Leib und Seele britischer Gentleman der alten Schule lebt er - ganz wie es sich gehört - in einer Burg. Zu einer Burg gehört – und das wissen wir wohl alle aus eigener Erfahrung – ein Burggraben. Und den ließ er reinigen, auf Kosten des Steuerzahlers, und warum auch nicht. Das macht man ihm nun zum Vorwurf.

Vermutlich wissen diese kleigeistigen Neider gar nicht, wie viel Aufmerksamkeit und Pflege so ein Burggraben verlangt. Seien wir mal ehrlich: So sehen die meisten dieser Burggräben denn auch aus. Ein gestandener Minister von Welt – und ein solcher ist der ehrenwerte Herr Hogg – würde so etwas natürlich nicht zulassen. Also kümmerte er sich!

Weder Kosten noch Mühe scheute er, den Burggraben in einen tadellosen Zustand versetzen zu lassen. Und wurde es ihm gedankt? Ganz im Gegenteil. Obwohl die Reinigung des Burggrabens sich in nichts von den Kosten für eine Putzfrau unterscheidet (außer vielleicht in der Höhe) wurde er offen dafür angefeindet, dass er sich die dabei angefallenen und zwar beträchtlichen Kosten vom Steuerzahler erstatten ließ.

Ich meine, er hat den Burggraben ja nicht zum Spaß. So eine Burg steht im Allgemeinen ja in der Landschaft herum und wir wissen alle, dass Gegend - vor allem wenn Sie etwas ab vom Schuss liegt - von den abstrusesten Gestalten, wilden Tieren und nicht zuletzt einfachem Gesinde bewohnt wird. Vor so etwas benötigt ein Ausnahmepolitiker wie Douglas Hogg, Schutz und um ganz sicher zu gehen, auch etwas Abstand. Dafür braucht er den Burggraben. Und die Kosten für die Pflege desselben soll er nicht von den Verursachern und eigentlichem Grund für die Anlage desselben einfordern dürfen? Das könne diese Erbsenzähler ja wohl nicht ernst meinen.

Wir setzen die Gartenzwerge, die unsere Vorgärten vor Unbill durch Waldschrate und neidische Feen schützen ja wohl auch von der Steuer ab oder? Ich sehe da keinen großen Unterschied.


Die Liste mit ehrenwerten Volksvertretern, die aufgrund ihrer Spesenabrechnung abtreten müssen, wird fast täglich länger und bei so manchem blutet einem das Herz. MP Anthony Steen zum Beispiel musste Rede und Antwort stehen weil er seinen Privatwald von einem Spezialisten begutachten ließ. Alle reden von Umweltschutz und dass man was tun müsste und wenn dann jemand kommt und Initiative zeigt, dann regen sich die Bäumeknutscher und Berufsbetroffenen trotzdem auf. Zum aus der Haut fahren ist das. Schon aus Protest sollten wir alle unsere Privatwälder abholzen und feierlich verbrennen. Schade, dass Ostern schon vorbei ist. Das hätte super gepasst.


Was lernen wir nun aus dieser Geschichte? Nun ja, in der Hauptsache wohl, dass die Spesenabrechnungen von Politikern als geheime Verschlusssache eingestuft werden sollten. Das gemeine Volk hat einfach kein Verständnis für die Sorgen und Bedürfnisse der herrschenden Klasse.

Ich ganz persönlich habe daraus gelernt, dass ich gerne ein MP in Großbritannien werden möchte. Die Nebenkosten für meine Schlösser und Ländereien fressen mir nämlich die Haare vom Kopf und das ganz besonders in diesen harten Zeiten. Ich habe ernsthaft überlegt, meinen Zweitwagen abzustoßen, aber so wie die Situation am Markt ist, würde ich für meinen Aston Martin keine 100.000 Euro kriegen. Dafür ist er mir dann doch zu schade und vor allem zu lieb. Und wer ist Schuld? Die Froschfresser, ganz richtig. Hätten die damals nicht Ludwigs XVI. hingerichtet und die Demokratie ausgerufen, könnten wir heute ganz in Ruhe leben und abfällig über die Amerikaner reden. Eigentlich sind die ja auch an allem Schuld und natürlich die Engländer, weil die ihre Kolonien nicht unter Kontrolle halten konnten. Boston Tea Party, wenn ich das schon höre. Wenn die Bier trinken würden wie normale Menschen, hätten wir das Dilemma nicht. Ich schließe lieber, sonst rege ich mich wieder auf.

 

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By PLAVEB