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Auf nach Coban
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Ich hatte von Quetzaltenango gestrichen die Nase voll. Die Stadt ist wunderschön und hat sicher auch viel zu bieten, aber sie lag nun einmal hoch in den Wolken und dafür war ich nicht so weit gereist. Nass und kalt habe ich daheim in Dublin reichlich. Zwar schlief ich wie ein Baby – kein Wunder nachdem ich mich ganz allein gegen den mächtigen Vulkan gestemmt und ihn besiegt hatte – trotzdem war meine erste Amtshandlung am Morgen, meine Sachen zu packen und mich gen Busbahnhof zu bewegen.

Wie gewohnt lief alles wie am Schnürchen. Da ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wo mein Bus abfuhr, nahm ich ein Taxi zum Terminal und schrie munter Guate, Guate. Schnell wurde der entsprechende Schaffner auf mich aufmerksam und lotste mich zum Bus.


Die kürzeste Verbindung zu meinem nächsten Ziel führte leider über Guatemala City. Das war laut Karte zwar ein Umweg, aber nicht zu vermeiden. Da ich halbwegs früh dran war, sollte ich mühelos einen Anschluss nach Coban kriegen. Ich brauchte also nicht in Guatemala City übernachten.


Standesgemäß stieg ich in den Chicken Bus ein und bereitete mich seelisch und moralisch auf mein baldiges Ende vor. Ich schätze die Chancen, eine Fahrt im Chicken Bus unbeschadet zu überstehen, auf etwa 50:50. Wenn meine Freundin am Steuer sitzt, liegen die subjektiv bei 10:90, für mich waren Chicken Busse also eine echte Verbesserung im Sinne des Verletzungsrisikos.

Die Verapaces

In einer Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht; der Busfahrer fuhr wie von bösen Geistern besessen. Am Anfang störte das nicht, da die Straße breit und gut befestigt war, als wir an die ersten Baustellen kam, wandte ich den Blick vorsichtshalber ab. Keine Frage; der Fahrer war lebensmüde und/oder wahnsinnig.

Es sind diese Momente panischer Angst, wo man am Besten über das Leben reflektiert. Was habe ich mit meinen Jahren angefangen? Was bliebe von mir, würfe ich hier und heute das Handtuch? Wichtige Fragen das sind, geradezu essentiell. Leider kam ich nicht dazu, Sie zu beantworten, da mir die Manöver des Busfahrers den Angstschweiß auf die Stirn trieben und ich nicht zum Nachdenken kam.

Ich bin normalerweise ja fatalistisch, aber auf dem Weg zu einer der schönsten ecken Guatemalas von einem Geisteskranken gerichtet zu werden, wäre schon eine grausam Ironie des Schicksals.


Zu meiner allergrößten Überraschung überlebte ich auch diese Busfahrt unbeschadet. Nach meinen Berechnungen war das zu diesem Zeitpunkt meiner Reise fast unwahrscheinlicher als ein Lottogewinn. Es war immerhin die zweite Reise in einem Chicken Bus innerhalb von einer Woche.

Während ich anfangs noch etwas haderte mit meinem Entschluss den mächtigen Santa Maria auszulassen - die Aussicht hätte ich mir schon gern gegeben - wusste ich spätestens in dem Moment, als ich in Guatemala City den Bus verließ, dass ich alles richtig gemacht hatte. Es war lecker warm und sonnig. Gott wie hatte ich das vermisst. (No offence Maximon)

Per Taxi fuhr ich zum nächsten Terminal. Anders geht es leider nicht. In Guatemala hat jede Busgesellschaft ihren eigenen Busterminal und verschiedene Himmelsrichtungen werden grundsätzlich von verschiedenen Enden der Stadt bedient. Warum einfach …


Der Bus nach Coban war eine echte Überraschung. Er sah tatsächlich aus wie ein richtiger Bus. Das war eine echte Premiere. Der Bus war ein Wrack und hatte mehr Löcher als Karosserie aber immerhin; es war eindeutig kein Chicken Bus und er hatte richtige Sitze anstelle der Holzbänke. Hin und weg war ich, richtiggehend begeistert. Und billig war er auch.

Nach meiner Schätzung war es bis Coban auf keinen Fall sehr weit; zwei Stunden vielleicht. Fairer Weise sollte ich erwähnen, dass meine Schätzung auf der Lateinamerikagesamtkarte meines Reiseführers basierte. Guatemala war darauf in etwa so groß wie eine 2 Euro Münze. Ich lag natürlich weit daneben. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass Xela - Guatemala City deutlich schneller ging als ich dachte. Irgendwie hatte mich das verwirrt und mein Urteilsvermögen umwölkt.


Immerhin war die Fahrt kurzweilig. Ich wusste über Coban praktisch gar nichts außer, dass es dort ein unheimlich spannend aussehendes Hotel in einem alten Kloster gibt und dass es in unmittelbarer Nähe zu Languin und damit Semuc Champey lag.


Laut Reiseführer war es eine Reichsstadt (Imperial City) – was zumindest mal spannend klang – und aus Gegend um Coban bezieht Starbucks seinen Kaffee. Eine der Kaffeeplantagen konnte man sogar besuchen und sich anschauen, wo der Teufel sein Weihwasser herkriegt. Eigentlich habe ich gar nichts gegen Starbucks. Der Kaffee ist gut und wenn man lange genug im Ausland gelebt hat, lernt man das zu schätzen.


Coban war in mancher Hinsicht eine Überraschung. Ich hatte zwar gelesen, dass die Stadt in den Verapaces lag, dass es sich dabei um Berge handelt, hätte ich mir mit etwas Nachdenken auch selbst zusammenreimen können, dass es sich bei den Verapaces allerdings um mit Urwald überwucherte Kalksteinberge handelte, darauf war ich nicht vorbereitet.

Ich bin ja nun nicht gerade ein Bergfetischist, aber wenn es um Kalkstein geht und da noch Urwald drauf wächst, da sind wir dann fast wieder bei Thailand und das ist das mit Abstand erotischste Land aller Zeiten. Es hat einige der besten Strände der Welt, Korallenriffe, Hochland, Tiefland und eben diese überwucherten Kalksteinberg, die in einigen Ecken die skurrilsten Formationen bilden. In der Nähe von Krabi im Süden stehen die dann halt wie Säulen im Wasser, wobei sie – je nachdem – aussehen wie ein Dönerspieß oder auch ein brütendes Hühnchen. Ganz so extrem waren die Verapaces nicht, aber sie erinnerten mich doll an mein allerliebstes Land in der ganzen Welt. Das konnte eigentlich nur gut werden.


Auch Coban selber war eine angenehme Überraschung. Ich hatte so etwas die Befürchtung, dass es sich um eine richtige Stadt handelt mit allem drum und dran und so und vielleicht total touristisch wie's Böse, aber da hatte ich mir zu Unrecht Sorgen gemacht. Coban war so entspannt, dass es schon fast nicht mehr feierlich war.

Da die Busreise deutlich länger als gedacht war, hatte ich mittlerweile einen Mordshunger. Da ist mit mir nicht gut Blaubeeren essen. Bei meiner – zugegeben leicht vagen - Planung der Etappe, hatte ich zu keinem Moment berücksichtigt, dass es den ganzen Tag brauchen und erst nach Einbruch der Dunkelheit ankommen könnte. Ich hatte seit dem Morgengrauen nichts geknabbert und war gerädert. Erschwerend kam hinzu, dass die Stadtkarte in meinem South American Handbook ganz offensichtlich für den Schrubber war. Ich verlief mich böse und was für ein Timing das war.


Da mein Spanisch erwies sich als noch genauso limitiert, wie bei meiner Ankunft - seltsam – was in dieser Situation allerdings ein ganz winzig kleines Problem darstellte. Da ich nun endgültig in der Pampa war, sprach wirklich und überhaupt gar niemand mehr Englisch.

Normalerweise tangiert mich so etwas eher peripher, in diesem ganz konkreten Falle aber schlappte ich hungrig und mit Gepäck durch eine fremde Stadt. Es war dunkel und nieselte, zudem bekam ich aus den Einheimischen nicht viel mehr als ein Schulterzucken heraus. Diese Saftnasen; nach meiner Intel war das Hostal Doña Victoria eines der feinsten Häuser der Stadt, wenn mich einer nach dem lokalen Hilton fragt …. Vielleicht ist das kein gutes Beispiel.


Schließlich hatte ich Glück. Ein lokaler Jungspund schien das Etablissement zu kennen. Da er mir den Weg nicht erklären konnte, lief er einfach vornweg und winkte mir, ihm zu folgen. Fans von Horrorfilmen werden diese Situation kennen. Zum Glück schaue ich nur Science-Fiction. Solange ich keine rote Uniform trage, war ich sicher wie in Uhuras Schoß. Und wem das jetzt nichts sagt: Schande über dich du Nicht-Trekkie!

Zum Glück war der junge Mann mit den Regeln des Star Trek Universums vertraut und er brachte mich wirklich und wahrhaftig zum gesuchten Hostal. Er wollte noch nicht einmal Geld dafür. Coban hatte wirklich nichts von einer Touristenfalle.


Der Laden war mindestens so beeindruckend, wie ich erwartet hatte. Das Hostal Doña Victoria ist ein ehemaliges Kloster. Das Gebäude hat rund 400 Jahre auf dem Buckel. Gebaut haben es Dominikanermönche. Ursprünglich hausten hier Nonnen und – wenn ich das anmerken darf - mondän. Da fragt man sich schon, wozu die so große Betten brauchten. Welches waren die Lebemenschen, Dominikaner und Franziskaner? Ich bringe das immer durcheinander.

Ich weiß nur, die einen waren humorlose Wassertrinker und die anderen Fresssäcke und Säufer. Man sagt ja von Thomas von Aquin, dass sie ihm eine halbmondförmige Bucht in den Tisch sägen mussten. Er war so fett, dass er sonst nicht an das Essen kam. Der war Dominikaner glaube ich also gehe ich mal davon aus, dass das der feierfreudige Orden war. Das erklärt dann auch die Doppelbetten oder?

Nun ja, mit den Nonnen ist Schluss und die Zeiten ändern sich. Dafür war ich dankbar, schließlich gab es mir die Gelegenheit, in diesem ganz vorzüglichen Etablissement zu residieren. Würden da noch Nonnen wohnen, würden die jemanden wie mich sicher nicht reinlassen.


Was ich nicht erwartet hatte, war die Rezeption oder besser den Schalterknecht. In fließendem Spanisch erkundigte ich mich nach einer Bleibe und der zu erwartenden Preisregion. Der Mann hinterm Tresen schüttelte daraufhin nur mit dem Kopf und erzählte mir etwas von einer Fiesta. Darauf hin schüttelte ich auch mit dem Kopf und versuchte ihm zu erläutern, dass ich für eine gescheite Party immer zu haben, momentan aber eher auf der Suche nach einer Bleibe wäre. Seiner Reaktion entnahm ich, dass er das entweder nicht verstehen wollte oder konnte. Ich versuchte es noch einmal, das Resultat jedoch war dasselbe. Was für ein Nachtmännchen. Ein neuer Ansatz musste her. Im Gasthausgewerbe muss der potenzielle Kunde in der Regel ja nicht betteln, um ein freies Zimmer zugewiesen zu bekommen. So ein Amateur.

Ich fragte ihn noch einmal, ob er ein freies Zimmer hat. Er wollte schon wieder anfangen, mich voll zu labern, doch diesmal bezeichnete ich ihm zu schweigen:: Si or No si. Er sagte: Si. Geht doch.

Zweite Frage: Wie viel kostet so ein Zimmer? Er wollte antworten, doch wieder brachte ich ihn zum Verstummen. Mit spanischen Zahlen höher als 10 hatte ich es nicht so. Um auf Nummer sicher zu gehen, lasse ich mir die immer aufschreiben. Er malte 180Q. Das war teuer, in Anbetracht der Lokalität aber angemessen.


Ein letztes Mal legte ich den Finger auf die Lippen - höflich für "halt die Backen" – und erklärte ihm, dass ich das Zimmer nehme. Er wollte noch mal mit Fiesta anfangen, aber ich sah ihm an, dass er aufgegeben hatte. Ich checkte ein.

 

... weiter zu Teil 15

 

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By PLAVEB

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