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Semuc Champey aus dem Weltall
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<<< Zum ersten Teil des Berichts aus Semuc Champey


Direkt neben den Becken befand sich so eine Art Besucherzentrum, na vielleicht nicht Zentrum aber irgendetwas mit Bänken. Der Pfad, dem ich bis hierher gefolgt war, ging aber noch weiter. Und so tat auch ich. Nach nur ein paar Metern kam ich an ein Schild und auch das las sich El Mirador, da stand aber kein Wort von very difficile und auch nichts von 10 Stunden Aufstieg oder dass man als Vollidiot hier stoppen sollte. Das Schild meinte also offensichtlich Leute wie mich.

Ich wertete es entsprechend als Aufforderung und folgte dem Pfad. Tatsächlich sah dieser recht einladend aus. Es ging zwar bergauf aber nur leicht und sie hatten richtige Treppen gebaut. Das konnte nur meinen, dass die Rentner als Zielgruppe haben. Ich platze vor  Selbstbewusstsein.

Je weiter ich ging, desto schlechter wurde der Weg. Immerhin war er noch einfach. Klettereinlagen waren nicht gefordert. Von meinem Selbstbewusstsein war gefühlte 2 Stunden und 10 Liter Schweiß später allerdings nicht mehr viel übrig. Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund schaffte ich es, solche Unternehmungen immer um die Mittagsstunde herum zu starten. Ich scheine da eine leicht masochistische Ader zu haben. Immerhin bin ich hartnäckig, ich lief also weiter.

Schließlich kam ich an eine Weggabelung. Links ging es bergab und rechts bergauf. In welche Richtung wärt ihr gegangen? Vermutlich wärt ihr dem Schild gefolgt, aber das hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gesehen. Egal, ich hielt mich jedenfalls rechts und ich bleibe dabei, dass dies die einzig logische Wahl war.

Bald schon trabte ich durch dichtes Gebüsch, der Trampelpfad wurde zunehmend zur Schlammrutsche, an einem Feld verlor er sich plötzlich ganz. In der Ferne glaubte ich zwar den Pfad auszumachen, wie er tiefer und tiefer in den Dschungel führte., so ganz sicher war ich mir aber nicht Ich legte eine kurze Pause und überlegte ernsthaft, ob es sich bei den vertrockneten Pflanzenresten auf dem Feld wohl um Hanfgewächse handelt. Wie ich darauf komme?

Nun ja, da gab es The Beach, den Film, wo dieser komische Typ, den ich nicht leiden kann, Richard Fischer spielt, den Helden aus Danny Boyles gleichnamigen Roman. Im Verlaufe der Handlung kommt er an den geheimen Strand. Auf dem Weg dahin muss er allerdings an einer Drogenplantage vorbei. Und als dann die anderen Typen, denen er eine Kopie der Karte gegeben hatte, auch dort vorbeikamen, wurden sie von den bösen Drogendealern erschossen. Diese Assoziation hatte ich irgendwie gerade.

Nun glaubte ich natürlich nicht ernsthaft, dass dies eine geheime Drogenplantage war, allerdings kamen mir ernsthafte Zweifel an der Weisheit meiner Richtungswahl. Ich konnte es natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich hatte den leisen Verdacht, dass ich vom rechten Wege abgekommen war. Ich hatte sogar eine Idee wann und wo. Ich kehrte um.

Semuc Champey in den Verapaces

An der Weggabelung angekommen, wo ich mich für bergauf entschieden hatte, sah ich dann auch endlich das Schild. Es zeigte ziemlich eindeutig nach links und genau betrachtet war es auch keine richtige Weggabelung. Da war der ordentlich befestigte Weg und dann war da der kaum erkennbare Trampelpfad in die Büsche, dem ich in meiner unendlichen Weisheit gefolgt war. Ich kleiner Pfadfinder ich. Nun ja, ich hab ja Zeit. Diesmal hielt ich mich also links.

Einfacher wurde der Weg allerdings nicht. Es ging kurz bergab nur um gleich wieder anzusteigen. Statt Treppen gab es jetzt Leitern und die waren garantiert nichts für Akrophobiker wie mich. Da ich nun schon mal soweit gelaufen war, musste ich da wohl durch. An der Stelle umzukehren, ging nun gar nicht. Ich quälte mich also weiter.

Ein ganz klein wenig wunderte ich mich an der Stelle, dass wir immer noch Tageslicht hatten. Ich fühlte mich wie einer von Hannibals Elefanten nach der Alpenüberquerung. Gefühlt kletterte ich seit Stunden diesen bekloppten Berg hoch; und das nur um ein Foto zu schießen, das ich genauso gut auf Wikipedia räubern könnte. Männo, und die Pools sahen so verlockend aus.


Als ich die Hoffnung fast aufgeben hatte kam ich plötzlich an einen Felsen und eine kleine hölzernen Plattform mit drei netten jungen Damen drauf. Die Plattform war aus ein paar Brettern zusammengebastelt und ausgesprochen wacklig. Was mit viel mehr störte, war  dass sie praktisch im Nichts hing. Wir waren so derartig hoch, dass der Himmel nicht länger blau sondern schwarz war. Deutlich konnte ich die Krümmung der Erde sehen, irgendwie schien ich auch leichter als sonst. Wahrscheinlich befanden wir uns an der Grenze zur Schwerelosigkeit. Wenn ich mich nicht so panisch an den Felsen geklammert hätte, abgehoben wäre ich. Zum Glück hatte ich die Augen zu, sonst hätte ich vermutlich den Pazifik zu meiner Rechten gesehen und den Atlantik zu meiner Linken. Die Plattform schwebte so hoch über der Erde, vermutlich konnte man den indischen Ozean von hier sehen. Und was machten die Mädels? Die saßen auf dem Geländer und amüsierten sich.

Ich hatte auf der Leiter eine Panikattacke und die war vielleicht fünf Meter hoch, was wollte ich auf einem an einem einzelnen Nagel hängenden Lattenrost in der oberen Stratosphäre?


Ich wollte mein Foto! Alles was ich brauchte, war Zeit. Akklimatisieren musste ich mich, langsam herantasten. Idealerweise müsste ich auch die drei Mädels loswerden. Ich machte mich gerade völlig zum Arsch in deren Augen. Immer wenn man denkt, es geht nicht weiter, kommt einem der Zufall zu Hilfe. Nemesis, die göttliche Lenkerin, reicht einem eine helfende Hand. So auch jetzt. Während ich es mir gerade auf dem sicheren Felsen bequem machen wollte und die Sache aussitzen, ganz so wie ich es bei Helmut Blattspinat gelernt hatte, da attackierten mich ein paar ganz besonders widerwärtige kleine Flugmonster. Meine Wahl hatte sich also deutlich vereinfacht; ab auf die Plattform und schnell das Foto geschossen oder aber von exotischen Sechsbeinern gefressen werden. Ich wagte mich vor.

Die Plattform wackelte bedenklich, was nicht half. Die drei Italienerinnen schauten mich mittlerweile mit unverhohlener Neugier an. Sie saßen immer noch auf dem Geländer in ungefähr 17.000 Metern Höhe. Ich riss mich zusammen und machte eine nonchalante Bemerkung in ihre Richtung. Irgendetwas so in die Richtung Flachländer und das ich schon Pferde hätte kotzen sehen.

Ohne mich dem Rand der Plattform zu sehr zu nähern baute ich mein Stativ auf. Ich hatte einen neuen Plan. Statt selber da ran zutreten würde ich einfach ein Bild mit der Fernbedienung schießen. Das wäre doch gelacht. Für irgendetwas musste ich den ganzen Scheiß doch mitgeschleppt haben. Fast wäre mein Plan auch aufgegangen; außer dass das Stativ nicht hoch genug reichte und ich demzufolge nur Bilder vom Geländer schoss. Zudem hatte ich anscheinend vergessen, die Fernbedienung auszuschalten. Die Batterie war am Ende und die Reichweite der Fernbedienung lag entsprechend bei ungefähr 5 Zentimetern. Da musste ich wohl doch selber ran. Immerhin bot eines der Mädels an, ein Foto von mir zu schießen.

Ohne mich zu erheben oder runter zu sehen kroch ich ans Geländer und sie schoss das Foto. Der Insektenstich sah wirklich nicht gut aus. Ausgepumpt wie ich war vom Aufstieg, sah das Ding aus wie ein Tumor. Kein Wunder, dass die sich fast ins Höschen gemacht hatten. Wenigstens waren sie gnädig genug, sich endlich zu verdünnisieren. Wurde auch Zeit.

Ich probierte die Atemtechnik, die ich in einem der Chuck Norris Filme gelernt hatte; Einatmen, Ausatmen, Rundhouse Kick. Den Roundhouse Kick ließ ich natürlich weg, ich will ja keinen Ärger mit Chuck kriegen. Es gab mal jemandem, der wollte Chuck Norris erklären, dass so ein Roundhouse Kick nicht die beste Art ist, mit Leuten zu kommunizieren. Die Enzyklopädia Britannica hat dies als den schwersten Fehler notiert, den je ein Mensch gemacht hat. Kein Quatsch!

Schließlich fasste ich mir ein Herz und trat an das Geländer. Der Blick war fantastisch. Tief unten im Tal, und mit tief meine ich wirklich weit weg, das Licht brauchte wahrscheinlich Minuten um von dort bis zu mir, lagen die smaragdgrünen Wasserbecken. Umgeben von dichtem Dschungel glänzten sie in der Sonne. Es war fantastisch und es war den harten und beschwerlichen Weg wert. Mir schlackerten zwar immer noch die Knie aber ich bekam mein Foto. Daran habt ihr sicher aber nie gezweifelt oder?


Und hier ist es: Der Blick auf Semuc Champey aus dem Weltall. Das Fotos ist übrigens mit ca. 70 mm Zoom ausfgenommen!!!

Semuc Champey gesehen vom Aussichtspunkt El Mirador

 

 

Der Weg zurück war überraschend einfach, und es ging überraschend schnell. 20-30 Minuten vielleicht? Wahrscheinlich wieder eines dieser Raum-Zeit-Phänomene. Stephen Hawking schreibt ja eine Menge darüber. Vielleich sollte ich ihm eine Email schicken und auf Semuc Champey hinweisen.


Das abschließende Bad im kühlen Quellwasser war eine Wonne. Meine Knöchel waren von Stichen und Bissen übersät, mein Kopf glühte und ich war rechtschaffend müde. Trotzdem war ich zufrieden mit meinem Tagewerk. Wie viele Leute können das schon von sich sagen.


 

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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

Schick mir doch einfach einen "Tucan of your appreciation" wie wir englisch sprechenden Kalaueristen so sagen würden. Ist fast so gut, wie ApPINTment an der Bar zu haben.

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