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An den Atitlan
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Der Morgen begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein; ein prächtiger Tag. Nach einer kleinen Fotosafari (bei 6 Stunden Zeitverschiebung werde sogar ich zum Frühaufsteher) nahm ich ein leichtes Frühstück ein und wartete auf den Bus. Da mein Spanisch etwas limitiert ist und nicht unbedingt an praktischen Aspekten ausgerichtet, war ich bei der Wahl meines Menüs wie immer darauf angewiesen, was ich verstand.

Omelette mit Schinken zum Beispiel konnte sogar ich auf einer spanischen Speisekarte lesen und so wurde es zum Frühstück meiner Wahl. Ich bin ansonsten kein großer Fan von Omelette aber was soll ich machen. Mir ein Spanischwörterbuch kaufen? Soweit würde ich nie gehen.


Antigua - die alte Kolonialhauptstadt

Der Van nach Panajachel war nicht nur spät dran, er war auch ziemlich voll. Das zumindest dachte ich, als ich zustieg. Was ich nicht wusste war, dass ich nicht der letzte war auf der Liste. Drei weitere Leute stiegen zu und entsprechend machte sich leichter Unmut unter den Fahrgästen breit. Ich saß recht bequem, also war es mir eher gleichgültig.

Wir rumpelten in recht sportlicher Art und Weise aus Antigua (die Straßen waren so eine Art Kopfsteinpflaster, allerdings sehr uneben) und schon war es Zeit zu zeigen, wie viele Pferde denn nun unter der Haube wieherten. Zum Glück waren es nicht so viele, wie der Fahrer offenbar gerne gehabt hätte.

Ich habe die Verkehrsregeln in Guatemala noch nicht ganz verstanden, Fahrradfahrer und Fußgänger von der Straße zu bürsten schien aber Pflicht zu sein und nicht bloß zur Unterhaltung einzelner Verkehrsteilnehmer zu dienen. Ist ja gut zu wissen.


Am ersten Berg ging unserem Untersatz fahrbarer Weise erstmalig die Puste aus und ich glaube auch für den Rest der kleinen Schicksalsgemeinschaft zu sprechen, wenn ich sage: Gott sei Dank. Unser Fahrer wollte offenbar verlorene Zeit gut machen und nahm dabei wenig Rücksicht auf Verluste. Ich fühlte mich leicht unwohl und war ganz froh, als wir im nächsten Drecksnest an der Strecke im Stau standen.

Bei der Gelegenheit lernte ich eine neue Verkehrsregel: Chickenbusse (ehemalige Schulbusse aus den Staaten) haben immer recht! Während wir im Stau standen überholte uns der erste Bus rechts auf dem Standstreifen und mit hoher Geschwindigkeit. Am nächsten Hindernis - Fußgänger und Radfahrer gelten nicht als solches - drängelte er sich einfach wieder in den Stau rein.

Antigua - die alte Kolonialhauptstadt

Diese Vorgehensweise ermutigte andere Fahrer, es ihm gleich zu tun. Das wiederum verärgerte einen anderen Busfahrer und so überholte er den Stau links. Sicher gab es Gegenverkehr, aber wer legt sich schon mit einem Bus an? LKW Fahrer zum Beispiel und ein solcher drängelte den ihm entgegen kommenden Bus auf den anderen Seitenstreifen. Das schien den allerdings nicht weiter anzufechten und er zog weiter seine Bahnen. Ich meine, interessant ist es schon, minimal beängstigend, aber interessant.

Ich fasste bei der Gelegenheit den Beschluss, fortan in Chickenbussen nur noch hinten zu sitzen. Es macht nicht wirklich einen Unterschied aber immerhin musste ich das Elend so nicht mit ansehen.


Die Verkehrsdichte in Guatemala überraschte mich schon etwas. Im Norden hatte ich seinerzeit mal ein Auto gesehen, von Verkehr konnte da aber wirklich keine Rede sein. Hier im Süden ging es schon etwas anders ab.

Noch etwas anderes lernte ich bei dieser Gelegenheit; Gasmasken sind ein wichtiges Utensil, wenn man in dieser Ecke der Welt lebt. Es ist nicht einmal so sehr die Menge des Verkehrs, es sind die Kraftfahrzeuge an sich. So ein schrottiger alter Bus stößt Wolken aus, dass es eine Dampflok schaudert. Die meisten der in aller Regel recht betagten LKWs sind nicht besser. Vor allem am Berg pumpen sie dunkle schwarze Wolken aus dem Auspuff, als gäbe es dafür Preise zu gewinnen.

Den Vogel abschoss auf diesem kleinen Trip allerdings ein Toyota Pickup. Einem deutschen Publikum muss man das wohl erklären, aber Toyota Pickups gelten als unverwüstlich. Auf BBC gibt es eine Autoshow namens Top Gear und die haben mal versucht, so ein Teil klein zu kriegen. Sie haben es nicht geschafft. Sie haben die Karre sogar bei Ebbe auf eine kleine Bootsrampe gebunden und dann geschaut, was der Atlantik bei hereinbrechender Flut mit dem Auto veranstalt. Die Antwort lautet: Nichts. Es wurde nass, das war es aber auch schon. Der Motor startete hinterher relativ klaglos.

Wer dachte, dass Clarkson und Co bei der Gelegenheit geschummelt haben, ich glaube es nicht. Was ich in Guatemala an alten Pickups gesehen habe, spottet jeder Beschreibung. Obwohl in unterschiedlichen Stadien der Verwesung dienten Sie als Lastesel, Personentransporter und Lastesel mit Personen obendrauf. Völlig überladen und offensichtlich aus den Anfangstagen automobiler Bewegung taten diese unverwüstlichen Schrotthaufen munter ihren Dienst.

Auf dem Weg nach Panajachel sah ich einen Toyota dessen Karosse sich mehr oder weniger in Wohlgefallen aufgelöst hatte. Ein alter Mann saß hinterm Steuer und obwohl er wirklich sehr alt aussah, glaube ich persönlich, dass der Toyota älteren Baujahrs war. Der Wagen fuhr nicht sehr schnell und er war auch nicht sehr leise und die schwarze Wolke, die er hinter sich herzog sah aus als würde sie von einer brennenden Ölquelle stammen und nicht von einem einzelnen Automobil, der Punkt ist aber, die Krücke fuhr. Es ist unglaublich, was diese Teile wegstecken.


Zurück zur Fahrt; solange es bergauf ging, war alles recht OK. Wenn man lange genug den Berg rauf fährt, muss man irgendwann aber auch wieder runter. Davor bangten uns anscheinend allen ein wenig. Der Atitlan mag ein Bergsee sein, aber natürlich liegt er in einer Art Kessel.

Tatsächlich erreichten wir irgendwann den Kamm und von da ab wurde es interessant. Hatte ich erwähnt, dass unser Fahrer ein Wahnsinniger war?

An einem recht steil abschüssigen Stück verlor der Wagen tatsächlich den Grip. Es passierte kurz vor einer Kurve, sodass der Fahrer sich um den "Chill Faktor" keine Sorge machen musste. Anscheinend hatte der Fahrer versucht zu bremsen. Er bekam den Wagen zwar fast augenblicklich unter Kontrolle, aber für eine meiner Mitreisenden war es zuviel. Sie musste sich übergeben.

Zum Glück hatte sie eine Tüte griffbereit. So wie es aussah, würde sie die mühelos füllen. Der Fahrer warf einen kurzen Blick nach hinten. Er schien sich fürstlich zu amüsieren. Anscheinend war es Teil des Programms und eine Fahrt erst erfolgreich, wenn sich mindestens einer der Passagiere übergeben hat.

Immerhin hatten wir nicht nur gestrichen die Schnauze voll sondern auch das Ziel vor Augen.


In dem Moment, als ich den Atitlan das erste Mal erblickte, wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte. Die Anreise mag lang und qualvoll gewesen sein, aber sie war es Wert. Das Panorama des Atitlansees ist einmalig und er gilt wohl zu recht als einer der schönsten Seen der Welt. Ich war angekommen und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Ab hier konnte einfach nichts mehr schief gehen.

 

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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

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