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Auf die Götter ist Verlass
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In einem Klassiker der deutschen Poesiegeschichte heißt es: "Er erreicht den Hof mit Müh' und Not, der Knabe lebt, das Pferd ist tot." Das ist übrigens von Heinz Erhard und nicht von Goethe oder Otto Waalkes wie viele denken! Heinz Erhard ist vielleicht der meistunterschätzte, nichtsdestotrotz aber einer der größten deutschen Poeten des 20. Jahrhunderts.

Allein beim Gedanken an Klassiker wie: "Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit", überkommt mich ein angenehmes Kribbeln. Der Mann konnte Sprache. Vergleicht man das mit modernen Klassikern wie "ich habe Kreislauf" (nichts gegen Hape), wird einem schnell klar, dass es mit den Dichtern und Denkern nicht mehr so weit her ist im Mutterland.

Heinz Erhard gerät leider immer mehr in Vergessenheit. Es wäre wirklich an der Zeit, ihm ein Denkmal zu setzen. Ich kann mich halt über Sprüche wie: Die Gans erwacht im grauen Forst erstaunt in einem Adlerhorst. Sie blickt sich um und denkt betroffen: "Mein lieber Schwan, war ich besoffen!", den ganzen Tage beäumeln. Ich bin Unfug gegenüber aufgeschlossen und – um bei den Zitaten zu bleiben - "paradox ist, wenn sich einer im Handumdrehen den Fuß bricht". Wahrscheinlich spricht hier auch ein wenig der Neid. Ich mag ja waghalsige Wortspiele, gegen Meister Erhard stinke ich natürlich aber ab.

 

Dank Maximon - freier Blick auf den Vulkansee Laguna Chicabal

Zurück zu König Erl und meinem bisher recht fruchtlosen Versuch, einen Vulkan zu erklimmen. Den Hof in Gestalt des Parkplatzes hatte ich mit letzter Kraft erreicht, mein Traum – den Vulkan zu erklimmen und mich an der Schönheit von Laguna Chicabal zu ergötzen – schien dagegen in den letzten Zügen zu liegen. Um noch einmal mit Heinz Erhard zu sprechen: Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung. Im Moment sah im wahrsten Sinne des Wortes alt aus.

Hinzufügen sollte ich, dass ich in jungen Jahren auch fit war. Dieser Tage reicht es quasi Fettgedrucktes zu lesen und schon nehme ich zu. (Auch der Spruch ist natürlich geklaut). Das wusste ich im Prinzip auch, nur wollte ich es mir nicht zugeben. Obwohl ich einen Berg beging, trug ich einen Rettungsring. genau der mache mir zu schaffen.

 

Völlig entkräftet ließ ich mich an der Rangerstation nieder. Sehr viel los war nicht. Tief im Innern hatte ich ja gehofft, irgendwelche verweichlichten Touris mit Mietwagen zu treffen. Diese Schlaffsäcke würden nie auf die Idee kommen, hier her zu LAUFEN! Rein technisch war meine Wanderung natürlich eher meiner mangelnden Ortskenntnis geschuldet als Planung im engeren Sinn, aber das wussten die Touris ja nicht. Außer mir gab es an der Rangerstation nur einen Jungen, der den Laden hütete, seinen Vater, der sich selbst hütet, frische Luft und jede Menge Wolke.

Meine Idee, bei irgendwelchen unterbelichteten Touristen eine kostenlose Rückfahrt zu schnorren, konnte ich wohl vergessen. Noch ein schöner Plan, der sich in Rauch auflöste.


Die Rangerstation umfasst einen kleinen Kiosk, wo Eintrittskarten verkauft wurden – eigentlich eine Frechheit – man konnte aber auch Hütten mieten oder Zelten. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das lohnt. Freie Sicht hat man vom Berg eigentlich nur morgens und da macht es schon Sinn, dicht dran zu wohnen. Außerdem hatten Sie ein kleines Modell des Berges. Ich konnte also schon mal einen Blick drauf werfen. Das Original gab sich halt bedeckt.

Dank Maximon - freier Blick auf den Vulkansee Laguna Chicabal

Die Betreiber des Ganzen sprachen nicht überzogen viel Englisch, aber wir kamen zurecht. Während ich noch vor mich hinvegetierte und von den Strapazen erholte, befrug ich die Beiden, wie denn meine Chancen stünden, dass sich die Wolke verzieht. Die Skepsis stand ihnen ins Gesicht geschrieben, man wisse aber nie. Ich mag optimistische Leute.

Nach der durchstandenen Tortur auf dem Weg würde ich natürlich nicht ausgerechnet jetzt umkehren. Zur Sicherheit fragte ich den Alten aber noch, ob man wirklich in 30 Minuten da hinkomme. Er nickte.


Ich rappelte mich mühsam auf und machte mich auf den Weg. Solange der Weg eben war, hatte ich keine Sorgen, natürlich blieb er das aber nicht sehr lange. Kurz hinter den Hütten ging es wieder stramm bergauf. Ich schaffte kaum ein paar Meter bevor ich das erste Mal zusammenbrach. So dicht vor dem Ziel würde ich niemals aufgeben. Ich quälte mich weiter, was sollte ich auch sonst tun.

Auf dem weg traf ich ein paar Einheimische, die sich fast kaputt lachten, als ich ihre Frage beantwortete, wohin ich denn wollte. Diese Klugscheißer!

Nach knapp 30 Minuten erreichte ich schließlich den Kamm. Noch immer war der Berg in eine dichte Wolke gehüllte. Ich schwitzte und fror zur selben Zeit. Was für einen Schwachsinnsidee …

 

Immerhin ging es jetzt bergab. Meine Lebensgeister stiegen, obwohl mit jedem Schritt auch  meine Sorge wuchs, wie ich da jemals wieder hochkommen sollte. Der Blick durch die Baumkronen war vermutlich spektakulär, nur konnte ich das nicht wirklich beurteilen. Die Sichtweite betrug unter 10 Metern. Immerhin gab es keine Weggabelungen. Umwege konnte ich mir wirklich nicht mehr leisten. Nach nur wenigen Minuten weitete sich der Weg zu einem Strand. Vielversprechend das Ganze. Beinahe wäre ich ins Wasser gefallen. Im dichten Nebel hätte ich es fast übersehen. Es war vollbracht. Ich hatte den mächtigen Vulkan bezwungen, meiner schier endlosen Willensstärke hatte er einfach nichts mehr entgegen zu setzen. Der Vulkan revanchierte sich für die Pleite mit einer dichten Wolke. So gesehen hatten wir beide irgendwie verloren.


Ich ging etwas am Wasser entlang. Der See ist den Maya heilig. In kurzen Abständen sah ich Blumengebinde, schließlich fand ich eine kleine Bank, auf der ich mich sogleich niederließ und mit dem Schicksal haderte.

Dank Maximon - freier Blick auf den Vulkansee Laguna Chicabal

Unter normalen Umständen wäre ich einfach umgedreht und zurück gelaufen. In einer dichten Wolke in einem Vulkankegel zu sitzen ist ungefähr so inspirierend wie einem Hund beim Kacken zuzuschauen. Ich brauchte allerdings erst einmal eine Pause.

Meine Beine waren eine gefühllose Masse. Ich fand es bemerkenswert, dass sie mich bis hierher getragen hatten. Für den Moment war Schluss.

Friedlich saß ich auf meiner Bank und fing an, Fotos vom Nebel zu machen. Warum auch nicht; schließlich hatte ich meine semiprofessionelle Ausrüstung den blöden Berg hoch getragen und alles in allem auch nichts Besseres zu tun. Ich vergnügte mich mit einem Keks und meinen verbliebenen Wasservorräten. Oh Wonne.

Es gibt ja diesen blöden Spruch: Nun sitz ich hier am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr. Was sagt zu jemandem, der auch einen 20 Kilometer hohen Vulkan geklettert ist und keine 10 Meter weit gucken kann wegen Wolke? Ich würde jetzt gern was Schlaues sagen, aber mir fällt nichts ein. Ich könnte höchstens noch einmal den Großmeister bemühen: Auf einem Baume saß ein Specht. Der Baum war hoch. Dem Specht war schlecht.



Es gibt so Tage im Leben, da möchte man niedere Lebensformen quälen, ansonsten wohlmeinende Menschen beleidigen, Schiffe versenken, Hasen verkloppen oder Leonardo DiCaprio von der Titanic schubsen; irgendwas Sinnfreies halt. Nichts von dem stand mir offen. Stattdessen hatte ich auf dem eine Textnachricht von einem alten Saufkumpel in Irland bekommen. Es ist schon bemerkenswert wo so ein Mobilfunkgerät funktioniert. Die Zeiten als man mal für einen Monat verschwinden konnte und keiner hat sich über mangelnde Kommunikation beschwert, sind wohl endgültig vorbei. Alles wird schlechter.



Während ich so vor mich hinfluchte und mit dem Schicksal haderte, hatte sich meine Umgebung verändert. Zuerst kaum wahrnehmbar hatten sich die Sichtverhältnisse deutlich verbessert. Mittlerweile konnte man locker 20 Meter weit gucken. Sollte ich doch noch Glück haben.

Dank Maximon - freier Blick auf den Vulkansee Laguna Chicabal

Plötzlich riss die Wolke auf. Ich fühlte Sonnenstrahlen auf meiner Haut, schließlich konnte ich sogar den See sehen. Ich konnte es kaum fassen. Der Vulkankegel war winzig und entsprechend klein war der See. Vermutlich hätte man in 10 Minuten drum rum laufen können. Die Hänge waren mit dichtem Wald bewachsen, es war … fantastisch. Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Ich schaffte es sogar, ein paar Fotos zu schießen. Eben noch zu Tode betrübt war ich plötzlich himmelhoch jauchzend.


Der Spuk dauerte nur ein paar Minuten - nicht genug Zeit um auf den Kamm zu kommen und ein Panorama des Kessels zu genießen - aber immerhin hatte ich den See gesehen. Maximon – ich danke dir. Vermutlich hatte er sich gerade an meine Selbstgedrehte gemacht und zum Dank – und sei es auch nur für einen kurzen Moment – die Wolken verjagt.

Ich wusste es; mit den Göttern sollte man es sich nicht verderben, egal welcher Konfession die angehören.


Der Weg zurück war einfach. Den Berg runter liefe es sich bemerkenswert einfach. Als ich schließlich unten an der Straße ankam, war ich fast schon wieder voller Tatendrang.

Ein kleiner MiniVan (Collectivo) nahm mich zurück nach Xela, wo ich sogar noch etwas Sightseeing einstreute. Der neoklassizistische Stadtkern ist zwar nur winzig, trotzdem gefiel mir die Stadt insgesamt gut. Für guatemaltekische Verhältnisse war sie fast schon eine Schönheit und – seien wir ehrlich – außerhalb plakativer Stadtzentren lassen sich Architekten und Geldgeber nur selten zu architektonische Großtaten hinreißen.



Kaum senkte sich die Sonne, wurde es aber auch schon wieder kühler. Ich beriet mich mit mir selbst und beschloss, die heißen Quellen auszulassen und den Santa Maria einen guten Vulkan sein zu lassen. Es war Zeit, mich in wärmere Gefilde abzusetzen! Mein nächstes Ziel hatte ich auch schon auserkoren: Semuc Champey.

 

 

... weiter zu Teil 14

 

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By PLAVEB

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