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Lanquin
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Von Coban nach Lanquin war es im Prinzip nicht weit. Das einzige Problem war wie üblich, den richtigen Busbahnhof zu finden. In diesem speziellen Fall handelte es sich um eine Art Hinterhof mit zwei Kleinbussen. Ich hörte irgendwann auf zu zählen, wie oft ich nach dem Weg fragte. Ich war auf dem allerbesten Weg, mich zu ärgern, als mir jemand aus der Ferne zubrüllte Laaaaanquiiiiiiiiin! Die Orientierung in Guatemala ist wirklich kinderleicht. Es ist eine reine Geduldsfrage.

Die Fahrt nach Lanquin war zwar etwas unbequem, die Gegend dafür ganz entzückend. Ein Blick aus dem Fenster des Busses verriet, dass ich alles richtig gemacht hatte. Die Gegend auf der Fahrt nach Coban war toll, das hier war einfach atemberaubend.

Wir verließen die Hauptstraße und von hier ging es steil bergab. Die Straße löste sich von da ab mehr oder weniger in Wohlgefallen auf. Wir folgten einer verrotteten Schotterpiste Berg runter ins Nirgendwo. Zum Glück habe ich unbegrenztes Vertrauen in Busse. Da kommt der Fatalist in mir durch. Wenn es mir bestimmt wäre, in einem Bus zu sterben, wäre ich lange tot.

Irgendwie hatte ich erwartet, dass man Semuc Champei schon von weitem erkennt, das war natürlich aber Quatsch. Die Umgebung sah eigentlich noch genauso aus, wie schon auf der gesamten Fahrt vorher; atemberaubend. Da wir nun immer weiter ins Tal kamen, konnte man allerdings nicht mehr so viel sehen wie vorher. Schließlich erreichten wir unser Etappenziel: Lanquin.

Ich weiß nicht so ganz genau, was ich eigentlich erwartet hatte, ganz sicher aber kein hässliches kleines Drecknest am Ende der Welt. Lanquin war auf den ersten Blick eine Enttäuschung. Ganz plötzlich war ich mir nicht mehr so sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, Coban zu verlassen. Nach Semuc Champey wäre ich auch von da gekommen. Hatte ich mir den sprichwörtlichen Panda aufbinden lassen?

El Retiro in Lanquin

Der Busfahrer fragte mich, wo ich hinwolle. Ich nannte ihm den Namen des Hostels. Er nickte und wir mir schien wissend. Die Anlage lag etwas außerhalb des eigentlichen Ortes, was ich zunächst gar nicht schön fand. So etwas kann schnell nach hinten losgehen. Tat es aber nicht. Das Hostel meiner Wahl - "El Retiro" - war das genaue Gegenteil von Lanquin. Wo das Dorf ein Schlag ins Gesicht war; langweilig, dreckig und alles andere einladend, erwartete mich hier ein kleines Paradies. 

An einem sanften Hügel standen Bambushütten, inmitten von Bäumen, idyllisch ruhig und mit einem fantastischen Blick auf die umliegenden Berge und den Fluss. Ich war sprachlos.  Zumindest optisch übertraf das "El Retiro" alles, was ich bisher gesehen hatte. Ich checkte ein.


Die Bambushütten waren recht groß und bei der Anmeldung lernte ich auch warum. Im Erdgeschoss - wenn man bei einer Bambushütte von so etwas reden konnte - waren Mehrbettzimmer, man konnte aber auch individuell auf dem Dachboden logieren. Das hörte sich gut an. Schließlich reiste ich nicht auf Minimalbudget und für Gemeinschaftsräume hab ich nichts übrig.

Ich fand "meine Hütte" recht problemlos, obwohl die Bezeichnungen doch eher etwas  für Leute mit Namensgedächtnis waren. Man hatte ihnen spanische Tiernamen gegeben. Das war nun wieder was für Auskenner. Für Doofe wie mich hatten Sie zwar Bildchen an die Hütte gemalt, der Trick hilft natürlich aber nur, wenn man das a) weiß und b) einem jemand erklärt, was denn zum Beispiel alacrán in einer zivilisierten Sprache heißt. Beides war bei mir nicht der Fall, so verließ ich mich auf meinen untrüglichen Instinkt, sprich ich fragte mich durch. Wie gesagt; die Orientierung in Guatemala ist ein reines Kinderspiel.

El Retiro in Lanquin

Die Hütte zu finden war eine Sache, als kleines Problem erwies sich allerdings das "ins Zimmer kommen". Die Hütten selber standen bereits auf hohen Stelzen um die Neigung des Hanges auszugleichen, was OK war. Nun führte von der der Terrasse aber eine sehr, sehr schmale und sehr, sehr steile Leiter noch eine Etage höher. Das war nun gleich deutlich über meiner Komfortzone im Sinne von Schwindelfreiheit bzw. eben völliges Fehlen derselben. Ich biss die Zähne zusammen - Kneifen ist nicht - aber es war eine Schrecksekunde.


Meine Nachbarn wirkten auf den ersten Blick in Ordnung, ich wollte mich aber erstmal umsehen. Viele Hostels haben so ihre eigenen kleinen Regeln und das El Retiro machte da keine Ausnahme.

Den Hügel runter am Fluss befand sich das Restaurant. Es war mehr oder weniger eine gewaltige Bambushütte und ganz bezaubernd. Nun ging man da nicht einfach hin und bestellt was zu Knabbern, sondern man meldete sich zum abendlichen Büfett an. Auf so etwas stehe ich im Allgemeinen gar nicht, aber was sollte ich machen. Immerhin hatten Sie Bier satt (sehr notwendig) und eine Happy Hour (sehr löblich). Ich mischte mich unters Volk.


Gemanagt wurde der Laden von einem Holländer. Er schien ganz angenehm und so sprach ich ihn an. Sein Name war Dennis und er war in der Tat ganz in Ordnung. Solange man mit Holländern das Thema Fußball außen vorlässt geht es. Offiziell mögen wir uns nicht besonders leiden können, im Allgemeinen sind sich Holländer und Deutsch allerdings sehr ähnlich. Und wirklich hassen tun wir höchstens Franzosen.



Das Abendessen wurde wie ein Event gefeiert. Dennis hielt eine Ansprache vor versammelter Mannschaft – wer zu spät kommt hat Pech – und dann ging der Sturm aufs Büffet los. Da das Essen ausgesprochen gut und reichlich war, hatte ich auch keine Einwände wegen des "Kindergarten Gemeinschaftsbüfett".

Im Anschluss sozialisierte alle noch ein wenig und ließen den Abend dann in Ruhe ausklingen.


... weiter zu Teil 17

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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

Schick mir doch einfach einen "Tucan of your appreciation" wie wir englisch sprechenden Kalaueristen so sagen würden. Ist fast so gut, wie ApPINTment an der Bar zu haben.

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