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Panajachel
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Der Lago Atitlan ist etwas ganz Besonderes. Er gilt als einer der schönsten Seen der Welt und dem habe ich nichts hinzu zu fügen. Der See liegt auf rund 1500 Metern Höhe in einem gewaltigen Talkessel und ist von Bergen umgeben. Drei dieser Berge sind Vulkane und entsprechend spektakulär wirkt die Kulisse.

Ich hatte mich in Vorbereitung auf den Abstecher auf einer Karte schlau gemacht. Alle drei Vulkane liegen am Südufer des Sees, ich wollte also ans Nordufer, damit ich das Panorama in vollen Zügen genießen kann. Unter den Dörfern am Nordufer bot sich Panajachel an. Es schien touristisch genug, war einfach zu erreichen und lag zentral. Das hörte sich perfekt an.


Erst im zweiten Schritt hatte ich zum Reiseführer meines Vertrauens gegriffen und mich nach einer passenden Unterkunft umgesehen. Da dies der Höhepunkt meines Trips sein sollte, gedachte ich, mir eine eher mondäne Schlafstelle zu suchen. In der von mir gesuchten Kategorie empfahl das South American Handbook das Hotel Playa Linda. Es lag am Ende der Promenade mit Blick auf den See und nicht all zu fern von Busstop und Fährhafen. Es klang vielversprechend, dahin lenkte ich also meine Schritte.


Der Atitlan zum Sonnenaufgang

Mondän war es in der Tat. Die Zimmer waren einfach eine Wucht. Sie waren geräumig, mit rustikalen Holzmöbeln eingerichtet, dominiert von schweren Holzbalken in Fachwerkstil, ein geräumiges Bad, Balkon mit Blick auf die Vulkane und sogar an ein eine kleine Laterne für den beschaulichen Schwatz auf dem Balkon hatten sie gedacht. Ich war beeindruckt. Wie ich später sah, gab es auch einen kleinen Pool. In Anbetracht der Außentemperaturen sparte ich mir den jedoch. Am Hotel selbst gab es also nichts zu meckern, es war von außen wie von innen ansehnlich und der dazugehörige Garten, tat ein Übriges.


Nicht ganz so gut klappte die Verständigung und Kreditkarten akzeptierten sie auch nicht. Das fand ich nun wieder nicht so gut. Cash ist immer so eine Sache in Mittelamerika. Da trenne ich mich nicht gern von und schon gar nicht, solange ich nicht sicher weiß, ob es einen funktionierenden Geldautomaten im Ort gibt. Für eine Nacht wollte ich mich trotzdem einquartieren und ich bereute es nicht. Etwas schade ist, dass der einstmals sicher fantastische Blick durch eine kleine Baustelle nebenan beeinträchtigt wurde. Die lieben Nachbarn scheinen sich entschlossen zu haben, die an sich hübsche Ecke mit einem zusätzlichen Gebäude zu verschandeln. Vielleicht führen sie auch einen privaten Kleinkrieg mit den Lindas und versuchen denen das Wasser abzugraben. Ich fand das Ganze jedenfalls unschön.

Neben dem Baulärm am frühen Morgen störte mich am Playa Linda eigentlich nur eins, und das war der Preis. 40 Dollar fand ich in Anbetracht der Preise, die im Rest Panajachels aufgerufen werden, einfach etwas zu hoch. Zwei Häuser weiter kostet ein Zimmer mit Meerblick gerade einmal 25 Dollar. Die Zimmer dort waren nicht ganz so mondän aber immer noch gut. Hätten Playa Linda Kreditkarten akzeptiert, wäre ich wahrscheinlich länger geblieben, so zog ich am nächsten Tag zwei Türen weiter.


Was soll man über Panajachel noch erzählen? Es ist ein größeres Dorf und ziemlich touristisch. Komischerweise stört es aber nicht. Ganz im Gegenteil; ich weiß die Annehmlichkeiten einer touristisch erschlossenen Gegend zu schätzen. Es gibt zahlreiche, relativ gute Restaurants, EC Automaten, Reisebüros, Wäscherei, Läden, einen ausgedehnten Markt und - wie nennt man das am Besten - "Dinge zu tun". Wenn man keinen unbedingten Wert darauf legt, von solchen Annehmlichkeiten abgeschnitten zu sein, ist Panajachel also eine gute Wahl.

Es wirkt auch eigentlich nicht sehr touristisch. Ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt. Es ist dreckig (auf einem noch angenehmen Level), laut und gibt sich nicht sehr viel Mühe, charmant zu sein. Ich mag das. Die Einheimischen geben sich kaum Mühe, den Ort für Touristen herzurichten. Besucher sind willkommen, das war es aber auch schon. Das Ganze mag Geschmackssache sein, aber für mich haben die Kollegen genau den richtigen Mittelweg gefunden. Ich beschloss, Panajachel als Basisstation zu nutzen, um den Atitlan zu erkunden.



Panajachel

Wohl in Anbetracht der Zeitverschiebung fiel es mir überraschend leicht, am nächsten Morgen rechtzeitig zum Sonnenaufgang wach zu sein. Ich hatte mich lange auf diesen Moment gefreut und so trug wohl auch die Aufregung dazu bei, dass ich um 6.30 in der Früh nicht nur wach sondern startbereit war.

Ich hatte mich am Tag vorher kurz umgesehen und meinen bevorzugten Photospot markiert. Ich griff die Kamera und machte mich auf den Weg. Kein Wölkchen am Himmel, die Luft war kalt aber kristallklar. Ich brachte mich in Position und wartete auf das erste Tageslicht. Der Blick war fantastisch.

Das Dorf erwachte erst langsam zum Leben, die Sonne kämpfte sich mühsam über die Bergkämme. Kein Wölkchen verhüllte die Vulkankegel, alles war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der einzige kleine Wehrmutstropfen war, dass ich feststellen musste, dass ich die Hälfte meines Equipments umsonst mitgebracht hatte. Ich war bisher davon ausgegangen, dass Canon Objektive mit allen Canon EOS kompatibel sind. Dem ist nicht so und das ärgerte mich etwas. Na ja, am Ende des Tages hatte ich mir für viel Geld die neue Digitalkamera gekauft, um keinen bösen Überraschungen mehr zu erleben. Da wurde sie halt zur "guten" Kamera befördert und die Vorschau im LCD sah auf jeden Fall vielversprechend aus.

Im Vordergrund lag spiegelglatte und kristallklar der See, am jenseitigen Ufer erhoben sich die drei mächtigen Vulkane San Pedro, Tolimán und der geheimnisvolle Atitlán. Am Ufer, vertäut an kleinen Holzstegen lagen kleine Boote zu meiner linken ein paar Stelzenhäuser. Hier passte wirklich alles. Im Licht der ersten Sonne wirkte die Szene fast schon kitschig. Ich verbrachte Stunden am Ufer des Sees und war einfach nur zufrieden.

Man beschreibt es wohl am Besten mit dem Begriff "Die Seele baumeln lassen". Meine Gedanken glitten ab und während ich die Schönheit des Ortes auf mich wirken ließ, fasste ich einen absolut schwachsinnigen Plan: Ich wollte einen Vulkan besteigen.


Um die Tragweite dieses Entschlusses zu verdeutlichen, muss ich etwas ausholen. Ich komme vom flachen Land und mit flach meine ich platt wie planiert. In meiner Heimat werden Erdhaufen über 50 Metern Namen gegeben und wenn wir als Kinder die Abhänge dieser "Berge" auf Skiern herunter donnerten, fühlten wir uns wie Alpinisten, die sich todesmutig einen nie zuvor bezwungenen Abhang hinunter wagten. Wenn wir auf über 100 Metern klettern, kriegen wir Atemnot. Meine größte alpine Leistung aller Zeiten war das Besteigen einer Maya Pyramide und die hatte gerade mal 60 Meter. Oben angekommen, hätte mich fast der Schlag getroffen. Und das nicht nur weil ich vergessen hatte, wie wenig schwindelfrei ich bin, der Anstieg allein hatte mich an die Grenze meiner Belastungsfähigkeit gebracht.

Da saß ich nun auf 1500 Metern überm Meeresspiegel - vermutlich war ich mein Lebtag noch nicht höher in den Bergen - und dachte ernsthaft daran, einen Vulkan zu besteigen. Die Höhenluft setzte mir offenbar mehr zu, als gut für mich war. Wir haben daheim ja Theorien darüber was Höhenluft so aus Menschen machen kann. Alle großen Diktatoren der Geschichte kamen aus bergigen Gegenden. Ist das noch nie jemandem aufgefallen? Die Norddeutsche Tiefebene hat in ihrer gesamten Geschichte nicht einen einzigen Tyrannen produziert. Bei den Bergvölkern im Süden, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Sauerstoffarmut treibt Menschen in den Wahnsinn und ist schädlich für den Bregen. Wie schädlich erfuhr ich gerade am eigenen Leib.


Der Bergsee Lago Atitlan

Da ich den Entschluss nun mal gefasst hatte, war es Zeit, mich um die Verwirklichung zu kümmern. Ich hatte mich in Vorbereitung auf Guatemala einem eisenharten Fitnessprogramm unterzogen. Im Zuge desselben begab in unser firmeneigenes und bisher von mir vollständig ignorierte Fitnessstudio. In einem solchen war ich ja mein Lebtag noch nicht und ich weiß auch warum. Das Erlebnis war geradezu bizarr.

Bisher war ich davon ausgegangen, dass diese Fitnessstudios einfach nur kotzlangweilig sind. Ich habe was dazu gelernt. Sie sind zwar kotzlangweilig und sich stundenlang an den verschiedenen Geräten zu schaffen ist der Gesundheit ungefähr so zuträglich, wie nackt auf der Aussichtsplattform der Titanic zu rauchen, aber man trifft interessante Leute dort.

Es gibt, grob gesprochen, ja zwei Kategorien von Studiobesuchern. Die einen sind fett, unfit und deprimiert deswegen, also quälen sie sich an den Geräten, um etwas in Form zu kommen. Selbst wenn ihnen das in monatelanger, harter Arbeit gelingt, merkt es hinterher kaum einer, weil für das normale Auge es halt keinen Unterschied macht, ob jemand bei 1,50 Körpergröße 120 oder 90 Kilo wiegt. Außerdem hat man sich in der Regel an das Aussehen der Person gewöhnt und schon allein deswegen, fällt es einem nicht weiter auf. Ja, ich weiß, dass das jetzt etwas hart ist, aber ich spreche gelegentlich halt aus, was andere nur denken. Deswegen war ich auch immer so beliebt bei Lehrern, Ausbildern und anderen Möchtegernrespektspersonen. Das tangierte mich früher äußerst peripher und daran hat sich wenig geändert. Man muss mich so lieben wie ich bin. Einen sprichwörtlich alten Hund kann man genauso wenig trainieren wie ein klugscheißerisches Schandmaul, das unter persönliche Vorbilder Waldorf und Statler von der Muppet Show listet.


Die andere Zielgruppe - ich nehme Gelegenheitstäter wie mich jetzt mal aus - sind die Fitnessfanatiker und das sind nach meinem Empfinden die echten Freaks. Die verbringen Stunden über Stunden damit, sich in Form zu bringen und immer mehr Muskeln aufzubauen, vergessen aber, dass der Spruch "Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper" sich an intelligente Leute richtet. Soziale Kompetenz steigt in der Regel nicht, wenn man ein paar Pfund Fett verliert und ein paar Pfund Muskelmasse aufbaut. Ganz im Gegenteil; in vielen Fällen assoziiert der Normalgewichtige mit Muskelbergen ja eher so etwas wie abgrundtiefe Blödheit. Quod erat demonstrandum.

Ich mache übrigens eine Ausnahme für den Gouvernator Arnie. Der hat vermutlich zwar mehr Zeit im Fitnessstudio verbracht als in der Bibliothek, in seinem Fall hat es sich aber gelohnt. Hätten sie einen Klugscheißer mit meinen Bauchmaßen als Terminator besetzt, wäre es wohl kein so umwerfender Erfolg geworden und das Kino um einige Klassiker ärmer.



Was ich jedenfalls sagen wollte ist, dass sich mein eisenhartes Fitnessprogramm nun tatsächlich auszahlen könnte. Eigentlich hatte ich geplant, auf einen vier Tage Dschungeltrip nach El Mirador zu gehen, aber auf einem Vulkan zu stehen wäre ja auch nicht schlecht. Außerdem würde es Zeit sparen.

Dictum factum, wie der Lateiner sagt. Ich machte mich an die Planung. Zu Trainingszwecken und um meinen Fitnessstand zu prüfen, wollte ich ins erstmal Nachbardorf laufen. Vielleicht gab es da ja auch was zu sehen. Laut Buch lag es 6-8 Kilometer entfernt und wenn der Augenschein nicht trügt, bergauf bergab. Perfekt!

 

 

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By PLAVEB

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