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Quetzaltenango (Xela)
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Es hat zumindest einen schlagenden Vorteil, wenn man den angedachten Höhepunkt einer Reise an den Anfang legt; man hat keinen Stress mehr. Der Atitlan war, warum ich die Reise unternommen hatte, nun konnte ich mich entspannt zurücklehnen und Guatemala genießen. Zumindest hätte ich das können, wenn mich nicht der Wahnsinn gepackt hätte. Vielleicht sollte ich es eher Hybris nennen. Vulkane zu besteigen ist an sich ist ja nicht bescheuert, das Problem an der Sache war ich; Muschelschubser und Fitnessbaron in einem.

Ich gestehe, dass ich mir nicht mehr ganz so sicher war, was meinen Plan mit dem 20.000 Meter Vulkan anging. Vielleicht sollte ich erst mal etwas üben. Auf der Fahrt nach Quetzaltenango - die meisten Leute nennen es schlicht Xela, das werde ich von nun an auch tun - studierte ich noch einmal meinen schlauen Reiseführer wegen einer Alternative.

Ich wurde auch schnell fündig. In unmittelbarer Nähe von Xela gab es neben den schon erwähnten Vulkanen Santa Maria und Santiaguito noch einen dritten und der war nur 2800 Meter hoch. Außerdem hatte er einen heiligen See im Krater und noch viel besser; vom Parkplatz aus (der Rangerstation) waren es nur 30 Minuten Fußweg. Das hörte sich doch machbar an. Laguna Chicabal; das klang auch freundlicher ...

 

Quetzaltenango - Parque Centroamérica

Nachdem ich planungstechnisch versorgt war, widmete ich mich meinen Mitfahrern. Ich hatte mir eine Busfahrt im Mini Van gegönnt. Die fuhren direkt von Panajachel und übertrieben teuer war es auch nicht. Wir sind ja nicht bei armen Leuten.

Mit im Bus war ein älteres Ehepaar und zwei junge Amerikanerinnen. Wir kamen ins Gespräch und ich startete zur Abwechslung mit denen beiden Mädels. Eine von denen hatte ein Gipsbein und das war ein guter Aufhänger. In meiner mir eigenen, weithin geschätzt charmanten Art erkundigte ich mich nach dem allgmeinen Wohlergehen, wie es sich in Zeiten globaler Rezession als Amerikaner so reist und natürlich, ob Sie versucht hätte, einen Vulkan zu besteigen.

Sie überlegte einen kurzen Moment. Offensichtlich spielte sich in ihrem Innern ein Kampf ab. Ich vermute mal, sie versuchte abzuschätzen, wie sehr durch den Wind ich sei und ob es sich lohnte, wertvolle Sekunden ihres Urlaubs mit jemandem wie mir zu vergeuden. Der Befund schien halbwegs positiv, sie antwortete jedenfalls. Sie klopfte mich allerdings erst kurz ab. Wie ich denn auf die Idee käme, sie hätte einen Vulkan bestiegen.

Ich deutete auf das Gipsbein und fügte an, dass ich auch Flachländer sei und mit dem Gedanken spiele, einen Berg zu erklimmen. Immerhin schaute sie nicht mehr ganz so skeptisch. Anhand des Spruches war ihr wohl klar, mit was für einem Kaliber sie es zu tun hatte. Ich gebe zu, dass einige meiner Annahmen zu ihrer Person auf einer recht dünnen Datenlage basierten.

 

Sie klärte mich auf: A) Sie sei Kanadierin und schätze es nicht als Amerikaner bezeichnet zu werden. B) Sie habe im Laufe ihres Lebens etliche  Vulkane bestiegen, was sie auch vor keine große Herausforderung gestellt hätte, da sie in den Rockies aufgewachsen sei und schließlich C) sie sich das Bein bei Glatteis gebrochen hätte. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, die Gute war etwas angefressen.


Am meisten irritierte mich allerdings eine andere Frage: Wo gibt es Guatemala Glatteis? Die Antwort war bestechend einfach; sie hatte sich das Bein schon vor der Abreise gebrochen; und nein, die Vulkane hatte sie bei ihrem letzten Besuch bestiegen. Ich war drauf und dran sie zu fragen, gebe ich zu.

Nun war ich aber doch neugierig. Welcher Schwächi fährt denn mit einem eingegipsten Bein in ein Land wie Guatemala? Darauf kannte sie die Antwort.


Das lief also nicht so gut, ich verlegte mich also auf das ältere Pärchen. Sie waren in der Tat ganz bezaubernd. Und mit älteren Leuten kann ich in der Regel auch viel besser. Bin ja selbst keine 18 mehr.

Die Beiden waren Stammkunden. Alles in allem waren sie fast 20 Mal in Guatemala. Für Amerikaner liegt es halt vor der Haustür. Sie bestätigten mir auch, dass sich das Land sehr verändert hatte. All die Straßen, auf denen wir uns mühsam die Berge hochquälten, waren neu. Gerüchteweise soll das intensive Straßenbauprogramm damit zusammen hängen, das der neue Präsident eine Zementfabrik hat, aber das ist natürlich nichts wie üble Nachrede.

Ich befragt die Beiden, ob sie schon mal von Laguna Chicabal gehört hatten. Die sagte ihnen eher nichts, sie bestätigten aber, das der Santa Maria ganz prächtig sei und sie auch von Santiaguito sehr beeindruckt waren. Durch die Blume gesprochen hatten die mich glaube gerade ein Leichtgewicht genannt. Ganz unrecht haben sie natürlich auch nicht.

Quetzaltenango - Kathedrale am Parque Centroamérica

Eine Sache, die ich in Lateinamerika bisher schmerzlich vermisst hatte, waren Reifenpannen. Seinerzeit in Südostasien - in der Hauptsache eigentlich Laos - ging keine Busfahrt ohne Reifenpanne. Ich fand das geradezu faszinierend und vor allem inspirierend. Wer das epochale Machwerk "Auf der Suche nach der Weisheit des Chang" gelesen hat, weiß, dass ich anhand der systematischen Reifenpannen in Laos hinter den perfiden Plan der Kommunisten gekommen bin, wie sie die Amerikaner in die Knie zwingen wollen und die Weltherrschaft an sich reißen. Seit jener Zeit fühle ich eine seltsame Hingezogenheit - Affinität würde ich es nicht nennen - zu Reifenpannen auf Busfahrten. Ich weiß, ich bin ein ewiger Romantiker.

Dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Es zahlt sich eben aus, wenn man ein paar Quetzal extra zahlt. Es knallte. Laut fluchend fuhr der Fahrer rechts ran und begutachtete den Schaden. Der linke Vorderreifen war dahin und der Ort, an dem wir zum halten kamen, alles andere als optimal für den anstehenden Reifenwechsel.


Immerhin waren wir direkt vor einem Restaurant liegen geblieben, was zumindest die weiblichen Gäste zu schätzen wussten. Die gingen dann auch gleich kollektiv die Feuchträume inspizieren. Wie sie halt so sind. Wir Männer taten derweil, was wir am Besten können. Wir gaben dem Fahrer gute Ratschläge, wie er den Reifen wechseln könnte.

Das Hauptproblem war der Untergrund. Er war extrem sandig und uneben. Mit mal schnell aufbocken war es also nicht getan. Unsere klugen Ratschläge kamen da gerade recht. Der Fahrer fluchte wie ein Rohrspatz. Wenn ich seine Tiraden richtig verstand - er schrie in immer kürzeren Intervallen einen anonymen Gesprächspartner durchs Telefon an - wollte er am selben Tag noch zurück nach Panajachel. Da wünschte ich ihm viel Glück. Von der Idee, dass wir Xela im Hellen erreichen würden, hatte ich mich lange verabschiedet. Die Frage war eigentlich nur noch, wie spät es werden würde. Im Gegensatz zu den Touristen (meine Mitreisenden) hatte ich nämlich kein Zimmer reserviert. Wäre ja noch schöner. Da könnte ich auch gleich pauschal reisen.


Ich vermute mal, dass die weiteren Details des Reifenwechsel von eher untergeordnetem Interesse sind. Ich will nur so viel hinzufügen: In der Zeit, die es brauchte, den Reifen zu wechseln, sind Großreiche aufgestiegen und wieder zerfallen. Uns Passagieren war ein Vollbart gewachsen (sogar den Frauen) und wären wir nicht neben einem Restaurant gestrandet, hätten wir uns wahrscheinlich dem Kannibalismus ergeben.

Quetzaltenango - Kathedrale am  Parque Centroamérica

Gegen 9 Uhr abends waren wir schließlich in Xela und - ganz wie sich das gehört - fuhr uns der Fahrer zur gewünschten Pension. Die Mädels wollten ins Hostel, das ältere Pärchen logierte mondän und ich halt irgendwo in der Mitte. Ich hatte mir ein gut klingendes kleines Hotel nahe des City Centers herausgesucht, welches der Fahrer natürlich nicht kannte. Ich las ihm die Adresse vor, worauf er es immer noch nicht kannte. Da half nur suchen. Da er schon ungefähr 3 Stunden zu spät war, suchte er nicht, ohne ununterbrochen zu fluchen. Zum Glück ficht mich so etwas nicht an.

Wir fanden die Herberge schließlich und natürlich checkte ich erstmal mit dem Manager, ob er was frei hätte. Man will ja nicht mitten in der Nacht irgendwo in einer dunkeln Ecke einer fremden Stadt auf der Straße stehen. Das trieb den Fahrer endgültig zur Weißglut, das war offensichtlich aber nicht mein Problem.

Die Pension war leider nicht ganz so schön, wie ich erwartet hatte, dafür war sie gut gelegen und billig. Panajachel hatte alles in allem ein ziemliches Loch in mein Budget gerissen, etwas Zurückhaltung konnte also nicht schaden. Ich mag nicht am Hungertuch nagen, das ist aber auch alles.


Ich machte mich auf eine erste Entdeckungsreise. Die Pension lag wirklich in einer ziemlich dunklen Ecke. Zum Glück wohnen in Guatemala nur Zwerge. Die hatten sicher mehr Angst vor mir als ich vor denen. In nicht allzu großer Ferne sah ich so etwas wie eine erleuchtete Kathedrale. In die Richtung hielt ich mich, sorgsam die Seitenstraßen zählend. Irgendwie musste ich auch wieder zurück finden und in einer verwinkelten Altstadt kann das zur Herausforderung werden.

Zum Glück waren die Straßen halbwegs logisch durchnummeriert. Ich war selbstbewusst. Außerdem verlaufe ich mich nie. Ich weiß, da habe ich seinerzeit in Bangkok auch gesagt, aber da lag es an der Straßenkarte. So etwas hatte ich in diesem Fall von vornherein nicht. In der Hinsicht konnte also nichts schief gehen.

Nach kurzer Suche fand ich die erleuchtete Kathedrale und war erstmal platt. Ich hatte nicht nur irgendeine Kirche gefunden sondern das mit weitem Abstand beeindruckendste Stadtzentrum Guatemalas. Das hatte ich nicht erwartet.

 

... weiter zu Teil 11

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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

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