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San Pedro de Atitlan
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Mein Trip nach Santa Caterina war ursprünglich als Trainingstag gedacht und um meinen Fitnessstand zu überprüfen. Vor allem in letzterer Hinsicht war mein Ausflug auch sehr erhellend. Ich würde mich nicht unbedingt als fit bezeichnen, aber für einen leicht übergewichtigen Sesselfurzer war ich nicht schlecht. Mit noch ein paar Tage Übung sollte meine Form in kürzester Zeit olympisch sein. Was sich dagegen zum Problem entwickelte, war etwas, worauf ich kaum Einfluss nehmen konnte: Sonne.

Ich wohne mittlerweile ja schon recht lange am nordwestlichen Arsch von Europa. Irland ist alles in allem auch ganz schön nur eben nicht besonders sonnig. Gerade im letzten Jahr war es so schattig (das ist das Gegenteil von sonnig oder?), dass mein Teint mittlerweile deutlich unterhalb von "braun wie ne Bäckermütze" anzusiedeln war. Trotz reichlichen Auftragens von Sonnencreme Faktor "Bleichgesicht in der Wüste" hatten sich meine Arme gerötet. Es war zwar kein richtiger Sonnenbrand aber doch ein deutlicher Hinweis ans Großhirn, es mit dem Tatendrang nicht zu übertreiben. Gegen Mittag zog ich mich also in den Schatten zurück.


  Sonnenaufgang am Atitlan

Es war ein Tag zum Helden zeugen. Schon beim Sonnenaufgang war es glasklar gewesen. Die Fotos vom Atitlan im Morgengrauen sahen - zumindest im Vorschaudisplay der Kamera - großartig aus. Den Teil mit der Fotosafari betrachtete ich damit als abgehakt. Blieben noch 2 Sachen auf meinem Zettel: San Pedro und Santiago.

Da San Pedro sich insgesamt spannender anhörte und ich eigentlich auch mit dem Gedanken spielte, dort die Nach zu verbringen, nahm ich mir erstmal Santiago vor. Dem Vernehmen nach war das Dorf ein religiöses Zentrum mit zahllosen Kirchen und einer herausragenden Tradition in Sachen Osterfest. Du bin ich kein großer Fan von Kirchen und da es Januar hatte, war auch mit Ostern nicht allzu viel zu erwarten, in Santiago gab es aber noch etwas und darauf war ich ernsthaft gespannt.

Dem Vernehmen nach huldigte man dort in einem kleinen Tempel dem indianischen Gott Maximon. Das interessierte mich schon.

  San Pedro am Atitlan

Da ich mich um die Mittagszeit in den Schatten verzogen hatte, kam ich nicht ganz so früh aus den Puschen wie ursprünglich geplant. Auch hatte ich es versäumt, mich nach dem Fährfahrplan zu erkundigen. Das sollte sich nun rächen. Als ich an den Kai mit den öffentlichen Fähren (publico) kam, sagte man mir, dass die nächste Fähre nach Santiago erst in einer Stunde gehen würde. Stattdessen würde aber ein Boot nach San Pedro gehen und ich könnte ja das nehmen und von da Santiago. Da schien Sinn zu machen also ging ich an Bord.

Nun rächte sich an dieser Stelle, dass ich praktisch kein Wort Spanisch sprach. Ich hätte zum Beispiel fragen können, ob das Boot direkt nach San Pedro fährt oder aber in jedem Kaff am Weg hält. Ich hätte mich auch nach der geschätzten Fahrzeit erkundigen können oder ob es auch am späteren Nachmittag ein öffentliches Boot von San Pedro nach Santiago gab. Da ich nun aber kein Spanisch kann, stellte ich keine dieser Fragen. Wahrscheinlich hätte ich sie auch mit Spanisch nicht gestellt, da all dies Fragen sind, die mir erst in der Retrospektive wichtig erschienen, aber ich wollte es mal gesagt haben.

In einer Hinsicht hielt das Boot, was es versprach. Es war billig. Was mir allerdings auch recht schnell klar wurde, mit 20 Minuten war die Sache nicht getan. Satt den direkten Weg zu wählen, fuhren wir mehr oder weniger am Ufer entlang. Das Boot schien in so ziemlich jedem Kuhdorf am Weg zu halten. Außer mir war eigentlich nur ein einziger Ausländer ohne Rucksack an Bord. Auch schien er der Einzige außer mir zu sein, der von der Route überrascht war. Vermutlich sprach er auch kein Spanisch.

Nach einer geschätzt 90 Minuten Tour de Force erreicht wir schließlich San Pedro. Außer mir war nur noch der andere Ausländer ohne Gepäck an Bord. Wir nickten uns beide zu. Ist ja immer gut zu wissen, dass man nicht der einzige Volltrottel ist.

Mittlerweile war es denn auch deutlich nach 16 Uhr und meine Frage, ob es denn ein Boot nach Santiago geben würde, war eher rhetorisch. Die Antwort überraschte mich denn auch nicht: Nach Santiago kann man sich höchstens ein Boot mieten; für extra teuer unter Freunden versteht sich. Ich lehnte dankend ab und schaute mich statt dessen in San Pedro um.

Der Ort, erbaut am Fuße des Vulkans, machte einen durchaus freundlichen Eindruck auf mich. Er sah nett aus, war voller kleiner Pensionen, Cafes und Restaurants und es würde mich nicht überraschen, wenn es hier ein anständiges Nachtleben geben würde. Was das Aussehen und die allgemeine Stimmung angeht, würde ich San Pedro auf der "Atitlan Cool Skala" eine gute 9 geben. Panajachel kommt da maximal auf eine 7.

  San Pedro am Atitlan

Wo ich schon mal da war, sah ich auch gleich einer potenziellen Herberge um. Bei meiner Rückkehr würde ich mit vollem Gepäck laufen und da wollte ich nicht nutzlos durchs Dorf irren und vielleicht in einem Dreckloch landen, dessen einziger Vorzug es war, genau dort gebaut zu sein, wo mich die Kräfte verließen. Wäre nicht das erste Mal. Wo ich so darüber nachdenke ... vielleicht sollte ich öfter mal probieren, Sachen zu planen statt wie ein Dreijähriger einfach so drauflos zu laufen. Auf der anderen Seite wäre ich sicher nicht in Guatemala, wenn ich Sachen zweimal überdenken würde. Und schon gar nicht ohne Spanischwörterbuch. Ist schon besser so, wie ich es mache. Ich brauche nicht überrascht zu tun, wenn ich irgendwo lande. Bei mir ist der blöde Gesichtsausdruck in der Regel absolut authentisch.

Alles in allem war ich mit San Pedro jedenfalls zufrieden. Die Sicht war nicht so schön wie in Panajachel aber es gab ein paar schöne Ecken. Hier ließe es sich sicher eine Weile aushalten und eine passende Unterkunft hatte ich auch aufgetrieben. Ich machte mich also auf den Rückweg.


Sollte ihr jemals in der Verlegenheit kommen, den Atitlan per Boot überqueren zu müssen, werdet ihr mir für diesen Tipp dankbar sein: Vergesst den Pullover nicht! Zwar ist es tagsüber warm, aber auf dem See selbst ist es eisig. Die Mischung aus Fahrtwind, Gischt und kalten Wasser ist nicht ohne. Zum Glück hatte ich zur Abwechslung mal mitgedacht. Das ist einer der Vorteile, wenn man eine Frostbeule ist. Einen dünnen Pullover habe ich eigentlich immer dabei.


Die Rückfahrt ging deutlich schneller als die Hinfahrt und ich brauche wohl nicht weiter auszuführen, dass ich alles andere als happy war mit dem Lauf der Ereignisse. Selbst mit einer Stunde warten, wäre ich schneller in Santiago gewesen, als mit der gewählten Route. Ticketverkäufern darf man halt kein Wort glauben. Die wollen in der Hauptsache das Boot voll kriegen.

Nun ja, es war zu spät und lamentieren bringt nichts. Alternativ könnte ich ja auch mein Gepäck nach Santiago mitnehmen und von dort nach San Pedro. Flexibilität ist eine meiner Stärken. Außerdem könnte ich es mir ja noch komplett anders überlegen. So viel Zeit hatte ich am Ende ja auch nicht und bis auf einen perfekten Sonneuntergang hatte ich mein Minimalziel am Atitlan erreicht. Und wenn mich mein geübter Blick nicht täuschte, war ich von einem perfekten Sonnenuntergang maximal noch 1 Stunde entfernt. Zeit die Kamera auszupacken.

 

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By PLAVEB

Urlaubskasse


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