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Santa Catarina de Lago Atitlan
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Was hat mich da nur geritten? Ich alter Flachlandtiroler schaffe es zu Fuß kaum in den vierten Stock und ich wollte mich an einem Vulkan versuchen? Lachhaft! Da wäre die Frage doch nicht ob sondern nur woran ich sterbe. In den Bergen gibt es da ja reiche Auswahl. Ich könnte zum Beispiel in eine Gletscherspalte fallen und von den Einheimischen gegessen werden (oder meinen Mitbergsteigern); wobei ich zugebe, dass es hier wohl keine Gletscher gibt.

Hypoxie, Hybris, D'Acosta-Krankheit, von Bergziegen attakiert oder einfach nur vom Hang gerutscht, von Adlern attackiert, Flugzeugen gestreift, verhungert, verdurstet, die Liste ist ja endlos und da sind die offensichtlichen Gefahren des Vulkanismus noch gar nicht berücksichtigt. Man stelle sich das vor. Nach einer sicher wochenlangen, akribisch vorbereiteten Expedition erklimmt man den mächtigen Vulkan und dann bricht das Ding aus. Da würde einer wohl dumm schauen schätze ich.


Der Bergsee Lago Atitlan

Ich habe ja gelesen, dass es in Guatemala sogar einen aktiven Vulkan gibt, wo man raufklettern kann. Ich weiß ja nicht; es gibt doch wohl ästetischere Arten des Selbstmords oder? Wozu die Mühe? Mein alter Chemielehrer hat mir da ja mal nen Trick verraten: Autoabgase. Er meinte, wenn man sich schon umbringen will, dann bitte auch mit Stil. Wenn man sich mit Autoabgasen das Licht ausbläst kommt man vorher noch schön auf einen Tripp! Kohlenmonoxid heißt das Zauberwort. Das geht ab.

Ich habe das mal recherchiert, was da passiert und eine richtig wissenschaftlich klingende Erklärung gefunden. Kohlenmonoxid hat eine deutlich höhere Affinität zu Hämoglobin als Sauerstoff, was nichts anderes heißt als dass es besser klebt und dadurch unsere roten Blutkörperchen, die normalerweise Sauerstoff transportieren, verdreckt; metaphorisch oder auch bildlich gesprochen. Kohlenmonoxid und unsere roten Blutkörperchen bilden Carboxyhämoglobin und vergiften den Körper. Am Ende stirbt man an Sauerstoffmangel im Blut - und auch da gibt es ein sexy Fremdwort für: Hypoxämie -, laut meinem Chemielehrer jedoch nicht ohne noch einmal ordentlich die Schlange zu reiten, um mit Jim Morrison zu sprechen. Und da sage nochmal einer, dass man bei mir nichts lernen kann.

Die Idee, auf einen Vulkan zu klettern gefiel mir immer weniger, aber ich hatte es mir nun einmal vorgenommen. Es war also Zeit, meinen Fitnessstand zu testen und ob sich die zahlreichen Besuche im Körperertüchtigungszentrum gelohnt haben. Ich muss alles in allem sich 5 mal dagewesen sein, da sollte eine kleine Wanderung ins nächste Dorf ja kein Problem sein.


Kaktus in den Bergen um den Atitlan

Planung ist bekanntlich alles, ich konsultierte also meinen Reiseführer. Das nächste Dorf hieß demnach Santa Catarina und war etwa 4 Kilometer entfernt. Der Reiseführer schlug vor, einfach der Straße ins nächste Dorf zu folgen, besondere Hürden seine dabei nicht zu überwinden. Das wäre ja noch schöner, als wenn ich auf gute Ratschläge hören würde. Ich beschloss, einfach am Ufer lang zu wandern. Wie schwierig kann das schon sein?

Erst einmal lief alles recht gut. Ich folgte der Kopfsteinpflasterstraße am Wasser für geschätzte 20 Meter, dann war Schuss. Der Weg bog ins Landesinnere ab und kein Ende in Sicht. In einiger Ferne glaubte ich so eine Art Brücke auszumachen. Ich beschloss, es drauf ankommen zu lassen. Die Alternative wäre gewesen, eine Bruchwand herunter zu klettern und durch einen Bach unbestimmter Tiefe zu waten. Nichts für mich. Außerdem mag ich Brücken.


Je näher ich kam, desto klarer wurde, dass es sich nicht um irgendeine beliebige Brücke handelte. Beim Bau dieser Flussüberquerung wurde strikt auf den X-Faktor geachtet. Eine löchrige, schaukelnde Hängebrücke ist in der Hinsicht kaum zu überbieten. Zum Glück war sie nicht zu hoch, sonst hätte ich es mir eventuell noch einmal überlegt. Die Einheimischen schienen unebgrenztes Vertrauen in die Konstruktion zu haben. Sie fuhren sogar mit ihren Mofas darüber. Da wollte ich nicht hintenanstehen.

Mit dem Überqueren der Brücke verlies ich den touristischen Teil von Panajachel. Sofort wirkte das Dorf sehr viel freundlicher. Die Leute lächelten, die Straßen waren sauberer und die Häuser schöner. Zudem gingen einem keine nervigen Straßenhändler auf den Nerv und allein das war schon mal angenehm.

Ich folgte der erstbesten Straße Richtung Wasser und war bald wieder zurück am Ufer. Am Dorfstrand war der Teufel los. Viele haben ja die Vorstellung, dass die Leute in armen Ländernden ganzen Tag nur schindern und das von frühester Kindheit an. Völlig falsch, die Leute hier haben mindestens genauso viel Spaß wie der gemeine Westeuropäer und wenn Augenschein nicht trübt, sogar etwas mehr.

Ich hielt mich an meinen Plan, dem Wasser zu folgen und bald wurde es sehr viel ruhiger. Die Aussicht war spektakulär, die Sonne schien und es war lägger warm. Nicht schlecht für Januar. Gut gelaunt wanderte ich am Ufer entlang und die gegend wurde immer besser.

 Toyota Pickup am Atitlan

Zu meiner Rechten der Atitlan mit den drei Vulkanen, zu meiner Linken Berge mit jeder Menge grün und vereinzelten Villen. Auch das war eine kleine Überraschung. Von dem Gedanken, dass es in Guatemala keine reichen Leute gibt, verabschiedete ich mich bei dieser Gelegenheit. Die Anwesen hier, würden einem kolumbianischen Drogenboss zur Ehre gereichen. Da konnte man schon mal neidisch werden. Und so tat ich.

Immerhin mit einer Sache hatte mein Reiseführer recht. Wollte man ins nächste Dorf, sollte man der Straße folgen. Nach einer halben Stunde am Wasser entlang war plötzlich Schluss. Geradezu versperrt eine dicht bewachsene Klippe den Weg, alle alternativen Routen waren abgezäunt. Der einzige Ausweg aus der Sackgasse war umkehren und nach einem Pfad der Berg hoch zu suchen. Trotz des Umweges bereute ich meinen Abstecher nicht. Diese Ecke von Panajachel war einfach großartig.

Mit Adleraugen spähte ich nach einem Pfad, der mich zur Straße führen würde, schließlich hatte ich keine Lust, den ganzen Weg zurück zu laufen. Nach einigen Fehlversuchen, die im Dickicht oder an hohem Zäunen endeten, fand ich schließlich einen solchen. Er führte an einem ganz bezaubernden kleinen Friedhof vorbei, durch einen eher tristen Ausläufer des Ortes. Von dort folgte ich der Straße und entsprechend öde war der Weg. Zudem merkte ich nach einer Weile, dass die Straße nicht nur bergauf und bergab ging, sondern auch sehr viel länger war, als die angekündigten vier Kilometer. Nach fast zwei Stunden, war von Santa Catarina noch immer nichts zu sehen und so langsam ging ich nun auch wieder nicht. Rüchblickend betrachtet würde ich die Entfernung auf acht bis zehn Kilometer schätzen. Meiner einer war nicht amüsiert. 

An einer engen Kurve, dem bisher höchsten Punkt hatte ich die Nase endgültig voll. In der Distanz konnte ich den Nachbarort sehen, sehr vielversprechend sah der allerdings nicht aus. Um dahin zu kommen, hätte ich noch einmal eine halbe Stunde den Berg runter laufen müssen. Das an sich hätte mich nicht gestört, in Anbetracht der Tatsache, dass ich den Weg aber auch wieder zurück laufen müsste, beschloss ich, dass es genug war.

 Haus mit Blick über den Atitlan

Zudem war der Flecken, auf dem ich mich gerade befand, geradezu zauberhaft. Jemand hatte sich am perfekten Ort ein kleines Häuschen gebaut und sogar einem kleinen Park angelegt. Der Blick von hier war das glatte Gegenteil von verachtenswert. Wenn nicht besser. Ich ließ mich nieder und genoss die Ruhe. 

Vom Balkon des Häuschens genoss ich das atemberaubende Panorama. Tief unter mir lag der Atitlan, den ich endlich einmal in seiner Gänze bewundern konnte. Es ist ein spektakulärer Anblick. Irgendwo habe ich gelesen, dass der See das Resultat eines mächtig gewaltigen Vulkanausbruchs ist. Von hier aus betrachtet, machte das Sinn. Obwohl riesig erinnert der Talkessel, und um einen solchen handelt es sich, wie das Resultat einer gewaltigen Eruption. Es ist also eher eine Caldera als eine von Bergen gesäumte Senke. Den Knall hätte ich gern gesehen.


Was den Atitlan von anderen Seen trennt, sind die Vulkane. Die kennt man eigentlich ja nur aus dem Fernsehen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn so einem Teil dann plötzlich Auge in Auge gegenüber steht. Nun könnte einer einwenden, dass ich andere Berge auch nur aus dem Fernsehen kenne - was nicht völlig falsch ist - aber darum geht es nicht. Es ist Gefühl, einen Vulkan von Nahem zu sehen, seine Nähe zu spüren. Die Präsenz dieser Berge, wie sie einen einschüchtern, das ist etwas völlig Anderes als die Hügel daheim.

Vulkane drohen den Anwohnern permanent mit totaler Vernichtung. Da können unsere Alpen einfach nicht mithalten. Die töten höchstens mal einen Bergsteiger oder Wanderer. Das kriegt unsereiner kaum mit. Die Alpen schaffen es höchstens mal in die Nachrichten, weil denen ein Gletscher abhanden gekommen ist. Als wenn mich das jucken würde ...


Weiter zu Teil 7 ...

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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

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