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Semuc Champey
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Das mag den Einen oder Anderen jetzt ein ganz klein wenig überraschen, aber ich - Weltenbummler von Format und weithin berüchtigt für meine akribische Vorbereitung - hatte von Semuc Champey vorher noch nie gehört. Wenn ich nicht zufällig mit dem holländischen Pärchen in Antigua geschwätzt hätte, wäre das wohl ansatzlos an mir vorbei gegangen. So gesehen, kann ich eigentlich froh sein, dass ich Antigua nicht so prickelnd fand, weil sonst wäre ich wohl mehr um die Häuser gezogen. Ich sage es ja immer wieder; die besten Tipps bekommt man von Leuten, die man zufällig auf der Straße trifft.

Theoretisch hätte ich natürlich auch meinen Reiseführer konsultieren können, wo Semuc Champey unter den größten Attraktionen Guatemalas gelistet war, das aber widerspricht meiner Philosophie des Reisens. Ich traue Reiseführern von Hause aus nicht (schon gar nicht bei Sehenswürdigkeiten) und in diesem speziellen Falle dachte der ja auch, Antigua wäre cool. Ein blindes Korn findet nun aber auch das dämlichste Huhn, dass er Semuc gelistet hatte, würde ich also weder für noch gegen den Führer (bzw. meine Theorie) verwenden wollen.

Semuc Champey in den Verapaces

Es ist auch ein wenig eine Mentalitätssache. Manche Leute haben Angst etwas zu verpassen; ich nicht. Es tangiert mich äußerst peripher, wenn ich die einzige Person in unserem Seitenarm der Milchstraße bin, die von etwas Bestimmten noch nicht gehört hat. Mich kratzt es auch nicht, wenn seit Homo Erectus Afrika verließ, ich der erste Besucher bin, der eine bestimmte Attraktion nicht besucht hat. Meine goldene Regel lautet: Wenn ich sie nicht kenne, kann sie nicht so wichtig sein. Wenn ich auf meinen Wanderungen nicht eine einzige Person treffe, die mir davon erzählt, ist die Attraktion lange nicht so attraktiv, wie Leute denken, ergo also entweder langweilig oder hässlich und meiner ungeteilten Aufmerksamkeit demzufolge nicht wert.

Semuc Champey zählte per Definition nicht zu diesen nicht so sehenswerten Würdigkeiten, weil da hatte mir ja jemand von erzählt. Seit ich das Foto gesehen hatte, freute ich mich auch ungemein darauf und fragte mich ernsthaft, wie ich das übersehen konnte. Ich behaupte aber auch (fast) nie, dass ich perfekt bin.



Die Nacht im Hostel war lange nicht so toll, wie ich gehofft hatte. Das lag aber weder an der Unterhaltung, noch dem Zimmer oder sonst etwas; des Nachts wurde ich von etwas (vermutlich) ganz Widerwärtigem mit Exoskelett attackiert. Ich hatte jedenfalls eine leicht rötliche Beule auf der Stirn und womit das enden würde … sagen wir mal so; ich habe da meine Erfahrungen.

Da sich im Nachhinein nichts mehr daran ändern ließ, bereitete ich mich einfach seelisch und moralisch darauf vor, bald wie ein Aussätziger auszusehen. Gegen gewisse Insekten bin ich allergisch und meine Schnelldiagnose lautete; dass ein solches mich angeknabbert hatte. Es war an der Zeit, Frühstück zu fassen und mich auf den Weg zu einem der beeindruckendsten Naturschauspiele Guatemalas zu machen.

Ursprünglich überlegte ich, nach Chemuc zu wandern, in Anbetracht des bisher oft wechselhaften Wetters nahm ich davon allerdings Abstand. Es war ein strahlender Morgen und den wollte ich möglichst ausnutzen. Ich ging ins Dorf und fragte nach dem öffentlichen Transportmittel. Ich hatte die Frage kaum ausgesprochen, als ich beinahe von dem Teil überrollt wurde. Semuc Champeeeeeeeeeeey!!!!, beinahe wären es die letzten Laute gewesen, die je an mein Ohr drangen. Zum Glück war der Busfahrer ein Feigling. Er bremste und so stieg ich zu.


Laut Schild sollten es bis nach Semuc etwa 10 Kilometer sein. Es ist schwer zu sagen, ob Angst die Sekunden gefühlt zu Stunden streckte, vielleicht war es die Tatsache, dass der Bus alle 5 Meter hielt und Leute zustiegen, vielleicht lag es daran, dass der Bus total überladen war und am Berg absoff und rückwärts rollte, vielleicht war es eine Kombination aus Allem. Es dauerte jedenfalls deutlich länger, als ich gedacht hätte. Ich erreichte Semuc Champey kurz vor Mittag und ich erreichte es in einem Stück. Soweit lief es also gut.

Heftig missfiel mir, dass ich 50 Quetzal Eintritt zahlen musste. Das fand ich etwas gierig aber na ja. Ich zahlte artig und machte mich auf den Weg den Fluss entlang. Zunächst war nicht viel zu sehen, ernsthaft verirren kann man sich meiner Ansicht nach in einer Schlucht aber auch nicht. Außerdem war das eine Touristenattraktion, an Leute wie mich müssten die also gewöhnt sein.

Um ganz ehrlich zu sein, wusste ich nicht so wirklich, was mich erwartete. Ich hatte nur das Foto gesehen, wo man aus großer Höhe auf eine Schlucht mit ein paar grün-blauen Wasserbecken schaut. Was mir ziemlich gleich klar wurde war, dass ich, wollte ich ein vergleichbares Foto schießen, klettern würde müssen. Na super.

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste war, wie diese Pools von Dichtem aussehen und da erwartete mich eine echte Überraschung. Ich will aber nicht vorgreifen. Erst einmal wanderte ich eine Art Waldweg entlang und kam plötzlich an ein Schild. Auf dem stand "El Mirador", irgendetwas von eineinhalb Stunden und very difficile. Das hörte sich nun überhaupt gar nicht nach etwas an, dass mir Spaß machen würde, ich hielt mich also an das Schild, das da sagte Semuc Champey. Plötzlich und – für mich auch völlig unerwartet – kam ich in ein kleines Paradies.

Semuc Champey in den Verapaces

Die Bäume hatten sich gelichtet und plötzlich stand ich an einem smaragdgrünen Pool mit mehreren Staustufen. Das Wasser rieselte leise über die Stufen und erzeugte eine grandiose Geräuschkulisse zu einem opulenten Bild. Das hatte ich nicht erwartet und ich meine noch nicht einmal ansatzweise. Dieser Platz war geradezu magisch und egal wie falsch und verlogen das kling, es kam für mich völlig … ich kann jetzt nicht schon wieder unerwartet sagen, aber so ist es. Das ist das Schöne, wenn man völlig planlos einfach so durch die Gegend reist. Man wird auch mal angenehm überrascht.

Die Leute sind da meistens viel zu negativ. Die hören immer nur, wie Leute von Guerilla Kämpfern entführt werden, Lawinen verschüttet, Schlangen gewürgt, Fröschen besprungen, Haien attackiert, Ameisen gefressen, Nazis verhauen oder Spinnen gepiekst. Es gibt auch gute Überraschungen und eine solche erlebte ich gerade! Und wenn ich nicht so ein Armleuchter wäre, hätte ich es dabei belassen. Ich wollte natürlich aber noch mein Semuc Champey Foto. Das ist halt das Problem, wenn man sich vorher schlau macht. Ich hätte den Tag einfach nur genießen können.

 

 

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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

Schick mir doch einfach einen "Tucan of your appreciation" wie wir englisch sprechenden Kalaueristen so sagen würden. Ist fast so gut, wie ApPINTment an der Bar zu haben.

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