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Allein gegen den Vulkan
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Quetzaltenango - oder Xela wie wir Auskenner sagen - war in mehrfacher Hinsicht eine Überraschung. Zunächst war es deutlich größer als ich erwartet hatte und auch deutlich hübscher. Vor allem aber war es deutlich kälter und das missfiel mir gar sehr, wie man sich denken kann.

Den Abend davor hatte ich von den potenziell arktischen Temperaturen in dieser Ecke der Welt schon eine kleine Andeutung bekommen. Trotz meines Rumgelaufes und nach einem Restaurant- und einer Tränke-Gesuche, war ich nicht eben in Schwitzen geraten. Das hätte mir zu Denken geben können, tat es natürlich aber nicht. Es hätte ja auch nichts genützt. Zudem war ich am Atitlan ja auch nicht unbedingt in Schweißausbrüche verfallen. Was mir an der Stelle noch nicht im vollen Ausmaß schwante war, WIE kalt es hier wird. Ich will natürlich aber nicht vorgreifen.


Quetzaltenango am Morgen

Zunächst verbrachte ich eine unruhige Nacht in nicht eben kuscheligen Gemächern. Das hatte verschiedene Gründe. Es half zum Beispiel nicht, dass irgendein Schwachkopf 4 Uhr früh gegen meine Tür hämmerte, weil er dachte ich gehöre zu seiner Vulkanbesteigungsgruppe. Lärmtechnisch überboten wurde das vermutlich nur vom Klappern meiner Zähne. An Schlafen war bei der Kälte kaum zu denken. So müssen sich sibirische Brückenpenner fühlen; außer dass die vermutlich hacke genug sind, von der Kälte nichts zu merken. Nüchtern (und ab einem gewissen Zeitpunkt dann auch noch hungrig) zu frieren ist kein Spaß. So hatte ich mir meine heroische Vulkanbesteigung eigentlich nicht ausgemalt.

An Schlafen war nicht mehr zu denken, da konnte ich auch aufstehen. Was die Uhrzeit geschlagen hatte, würde ich euch verraten, ging aber nicht. So tief geht die Skala meines Weckers einfach nicht. Um diese unchristliche Stunde die Uhrzeit mit meinem Wecker zu messen, wäre ungefähr so sinnvoll wie ein Fieberthermometer ins Eismeer zu halten.



Ich plünderte den Rucksack und zog so ziemlich alles an, was ich an langärmeligen Sachen dabei hatte. Ich kam auf gut 2 Schichten. Das half genauso gut wie es klingt. Ich fror wie ein Schneider. Das rief nach einem fettig heißen Frühstück mit starkem Kaffee idealer Weise am Kamin serviert.


Nach meiner nächtlichen Exploration war ich zum Glück schon ein intimer Kenner der Örtlichkeiten. Ich bewegte mich auf direktem Weg gen City Center. Behindert wurde das durch Sichtbedingungen, die einem schottischen Hochmoor im November zur Ehre gereicht hätten.

Zuerst dachte ich, es wäre neblig, rückblickend glaube ich allerdings, dass die Stadt in einer Wolke lag. Den Rest überlasse ich eurer Fantasie.


Ein Phänomen, das späten Vögeln wie mir, Leuten also, die sich nicht viel aus Würmern machen, notorisch unbekannt ist, sind morgendliche Öffnungszeiten. Wenn ich auf aufwache, sind Läden im schlimmsten Fall SCHON geschlossen, ganz bestimmt aber nicht NOCH. Ich lernte gerade eine bittere Lektion und sie bestärkte mich in der generellen Verachtung der frühen Morgenstund' und zwar unabhängig davon, wie viel Gold die im Munde hat.

Nachdem ich mich frierend und hungrig bis zum Stadtzentrum gekämpft hatte, erwartete mich statt eines heißen Kaffees der metaphorisch hochgeklappte Bürgersteig. Bürgersteig ist übrigens auch so ein Wort, wie es sich nur Deutsche ausdenken können. Es ist ja nicht so, dass Nicht-Bürger einer Stadt auf der Straße laufen müssen. Und was Steig in dem Zusammenhang zu suchen hat? Das letzte Mal, als ich was bestiegen habe … aber lassen wir das.

Quetzaltenango - Pasaje Enriquez

Da stand ich also auf im Stadtzentrum der zweitgrößten Metropole Guatemalas und alles ist zu! Da half dann auch nicht, dass der Parque Centroamérica ein geradezu bezauberndes Beispiel neoklassizistischer Architektur ist. Normal stehe ich auf so etwas, aber wenn ich hungrig und kalt bin, interessieren mich andere Sachen. Die angeblich zahllosen Cafes der Innenstadt zum Beispiel. In Anbetracht der Tatsache, dass ich um den halben Globus gejettet war, um bei denen einen Espresso zu schlürfen, hätte ich ja eigentlich etwas mehr Kooperation erwartet. Mit Undank habe ich über die Jahre zum Glück leben gelernt. 

Es stimmte ja auch, dass ich seit meiner Ankunft in Guatemala mitten in der Nacht aufwache. Zudem ist Xela bekanntermaßen eine Universitätsstadt. Wenn man Hörensagen trauen kann, ist die Zielgruppe "Studenten" ja auch nicht unbedingt als Frühaufsteher bekannt. Man könnte fast sagen "Ganz im Gegenteil". Unschön das Ganze. Ich wartete also. 


Zum Glück dauerte es nicht zu lange. Offensichtlich aufgeschreckt von meinem Rütteln an der Tür und in Anbetracht meines Zustandes mitleidig, öffnete man mir die Pforte und reichte mir wortlos einen Kaffee. Welch Wonne!

Ich stärkte mich mit einem umfangreichen Frühstück und haderte. Was in aller Welt hatte mich geritten? Ich fühlte mich wie Humboldt bei der Besteigung des Nordpols - völlig fehl am Platz. Wenn der Herr gewollt hätte, dass wir auf Bergen leben, hätte er uns Dudelsäcke gegeben oder Kiemen. Kein Wunder, dass die Hochländer alle einen an der Klatsche haben. Zum Glück bin ich keiner, der schnell aufgibt. So etwas zahlt sich aus.

Während ich noch heftig am Wehklagen war, lichtete sich die weiße Watte und die Sonne zeigte sich. Schlagartig wurde es wärmer und entsprechend stieg auch meine Stimmung.


Zeit, dem lokalen Reisebüro einen kleinen Besuch abzustatten. An eine Vulkanbesteigung würde ich mich natürlich nicht allein wagen. Ich bin ja nicht blöd, um mit den unsterblichen Worten einer bekannten Elektronikkette zu sprechen.

In der Pasaje Enriquez – einer ganz bezaubernden Arkade mit in der Hauptsache Shops, Restaurants und Cafes – gab es auch ein kleines Reisebüro. Zu meiner nicht geringen Überraschung sprachen die sogar ein akzeptables Englisch. Da stand der ordnungsgemäßen Einholung von Informationen nichts mehr im Wege.


Quetzaltenango - Pasaje Enriquez

Meine Recherchen hatten bis dato ergeben, dass der ursprünglich von mir präferierte Santa Maria fast 4000 Meter hoch ist. Um den Ausblick zu genießen, müsste ich (laut Reiseführer) geschlagene fünf Stunden den Berg hoch latschen. Das Reisebüro bestätigte diese Schätzung mehr oder weniger. Ich fragte, wie fit einer denn sein müsste, um da rauf zu kommen. Das wurde mit einem skeptischen Blick erwidert. Ob ich denn noch nie auf einen Berg gestiegen sei. Ich erläuterte die geografischen Gegebenheiten bei mir daheim. Man nickte.

Ich erwähnte dann, dass ich zum übern Laguna Chicabal ins Auge gefasst hätte. Immerhin war der Vulkan nur knapp unter 3000 Meter und erloschen. Für die Verhältnisse hier in Quetzaltenango waren das Traumwerte. Man darf nicht vergessen, dass Xela auf 2300 Metern liegt! Man nahm meinen Plan mit leichter Verwunderung auf, bestätigte aber, dass der Berg ein Spaziergang sei. Ich ließ mir ein paar Instruktionen in Sachen Anreise geben und machte mich auf den Weg.


In Anbetracht der Tatsache, dass Quetzaltenango eine Großstadt ist, chaotisch und ohne ein klares System in Sachen Bus, nahm ich ein Taxi zum Busterminal. Ich war ohnehin spät dran und ich glaube nicht, dass ich die Busstation so gefunden hätte.


Von da ab lief es wie ein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft, zäh aber absehbar. Wenn man sich an das Chaos in dem Busstationen erstmal gewöhnt hat, ist es eigentlich kinderleicht. Man brüllt solange, wo man hin will, bis einer kommt und sagt: Si Senior. Dann fragt man am Besten noch einen zweiten Busfahrer, ob das tatsächlich der Bus nach XYZ sei und wenn der das bestätigt, kann man sich eigentlich sicher sein. Wie üblich klappte das auch ohne Probleme.

Die Busfahrt war länger als gedacht, insgesamt aber kurzweilig. Etwas Unbehagen bereitetet mir die Stunde des Tages. Sie war vorgerückter als gedacht. Wie ich das in Anbetracht meines frühen Starts hinbekommen hatte, wird mir zwar ein ewiges Rätsel bleiben, trotzdem hatte ich es geschafft, erst nach Mittag anzukommen. Ich bin zwar insgesamt gesehen ein unverbesserlicher Optimist, trotzdem bereitete mir das Sorgen.

In der Regel ist die Mittagsstunde ein Problem wegen der brütenden Hitze. Auf über 2000 Metern braucht man sich darum jedoch keine Gedanken machen. Etwas Anderes trieb mich um.

Ich weiß über Vulkane (und Berge im Allgemeinen) weniger als eine Eintagsfliege übers Morgen, das heißt aber nicht, dass ich einfältig bin. Bergspitzen sind natürliche Wolkenfänger und das galt für Vulkane in Guatemala eher mehr als weniger. Zumindest legten das meine Beobachtungen am Atitlan nahe.

Es deckte sich auch mit der 4 Uhr in der Früh Startzeit für die Santa Maria Besteigung. Je später der Tag, desto wolkiger der Gipfel. Die Frage müsste nun also lauten: Was liegt höher? Wolke oder Gipfel?



Der Bus schmiss mich in San Martin raus. Der Busfahrer war davon überzeugt, dass dies der beste Haltepunkt für Laguna Chicabal sei. Er sah mich allerdings etwas fragend an im Hinblick auf die Weisheit des Planes als solchen. Was weiß der schon übers Reisen?

Wohlgemut sprang ich aus dem Bus und an den Abzweig gen Vulkansee. Als ich vor dem Schild mit der Aufschrift Laguna Chicabal stand, war ich allerdings erstmal baff. Da stand was von 5 Kilometern. In 30 Minuten war das beim besten Willen nicht zu schaffen und schon gar nicht in Anbetracht des Weges. Er führte steil bergauf.


Houston; we have a problem!



... weiter zu Teil 12




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By PLAVEB

Urlaubskasse


Damit ich weiter fein Berichte schreiben kann, muss ich natürlich erstmal verreisen.

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