Das große Machwerk ist endlich fertig und mittlerweile kann man es sogar käuflich erwerben. Hier findet der geneigte Leser schon mal einen Auszug aus dem populistischen Manifest: Auf der Suche nach der Weisheit des Chang.

 


 

Woran erkennt man eigentlich, dass man in einem sozialistisch/kommunistischen Land ist? Ich verrate es ihnen: An den Lautsprecher! In allen Dörfern und kleineren Orten hängen sie an den Strommasten. Morgens und abends dröhnt aus ihnen mit großen Getöse die Stimme des nationalen Nachrichtensprechers. Aufopferungsvoll liest er den Leuten Neuigkeiten aus aller Welt. Diese Hingabe in dem Bemühen, auch die kleinen Leute auf dem Laufenden zu halten, findet man so nur in idealistischen Staatssystemen. Sozis.

Sozialismus ist, betrachtet man es ganz genau, eine Religion. Dieser Satz mag einige Leute überraschen, doch ich kann es beweisen, in gewisser Hinsicht jedenfalls. Der Weg führt über den Vergleich.

In jeder anständigen Religion glauben die Leute rein technisch gesehen an irgend etwas. So ist es auch bei den Linken. Zumindest wie ich die Sache sehe, glauben sie an das System. Natürlich glauben nicht alle daran, ein großer Teil der Christen geht aber auch nur zu Weihnachten in die Kirche, das kann man ihnen also nicht ankreiden.

Außerdem hat der Sozialismus ein Heilsversprechen. Das gehört zu einer anständigen Religion dazu, irgendwie muss man die Leute ja bei der Stange halten. Das Handbuch des modernen Kommunisten formuliert es so: Wenn alle tüchtig arbeiten und die Klappe halten, kommt irgendwann auch mal was Gutes dabei raus. Das klingt vielversprechend.

Zudem glaubt S. an die eigene Überlegenheit und kann sich so weltfremd geben, wie er will, ohne unter Selbstzweifeln zu leiden. Das hört sich doch vertraut an oder? Zu einer Weltreligion fehlt natürlich noch etwas: Ein religiöser Führer, der Stellvertreter Gottes auf Erden.

Bei den Staatslinken hält dieses Amt der politische Führer des Ganzen. Er ist Vermittler zur Troika der alten Göttern (Marx, Engels, Lenin) und er ist es, der in ihrem Namen straft oder den Schäfchen vergibt, sprich ihnen ihre Sünden ablässt. Damit kommt er in mancher Hinsicht dem römisch-katholischen Papst gleich.

Bleib noch das Problem der Bekehrung. Warum, mag ein Unbeteiligter fragen, sollten Leute von ihrem alten und vertrauten Glauben an Mammon und das Schlechte im Menschen abfallen und sich den Sozis anschließen. Ich habe darüber bei einem Beerlao nachgedacht und glaube, die Antwort auf diese in diesem Zusammenhang Schlüsselfrage gefunden zu haben.


Das Progressive und Verführerische am Sozialismus ist sein Mut zur Komik und Hand aufs Herz: Wer lacht nicht gern? Alle großen kommunistischen Führer waren zugleich auch große Komödianten. Denken wir nur an die Reden Erichs des Ersten, da blieb kein Auge trocken. Niki Chruschtschow, der Johnny Carson der Politsatire, Walther U. und seine Griminalbolizei, der unvergleichliche Fidel Castro und nicht zu vergessen der leuchtendste Stern am Himmel politischen Kabaretts: Boris Jelzin. Ich glaube, vor ihm müssen sich alle verneigen, sein Talent ist unerreicht und wird es bleiben.


Wie ernst es den Roten mit ihrer Ideologie des Humor ist, bewiesen sie in der Vergangenheit immer wieder. Wenn ein Chefkomiker sein Esprit, seinen Witz verliert, hört der Spaß gleich in mehrfacher Hinsicht auf. Die politische Elite kennt in so einem Fall kein Erbarmen.

Erich zum Beispiel wurde, als er mit fortschreitendem Alter zum Melodramatischen neigte, ohne viel Federlesens abgelöst und durch ein junges, noch unverbrauchtes Talent ersetzt. "Den Sozialismus in seinem Verlauf halten weder Ochs' noch Esel auf." Mit diesem Spruch scherzte sich der junge Egon seinerzeit in Amt und Würden. Bei allem Neid muss man ihm zugestehen, es ist ein Kracher, vor allem da er praktisch am Vorabend des Mauerfalls entstand.

Damit erfüllt der Sozialismus wohl alle notwendigen und hinreichenden Kriterien zu einer Religion. Kein Wunder, dass diese Erkenntnis im Westen so vehement unterdrückt wird. Käme es heraus, die Leute würden wahrscheinlich in Scharen konvertieren. Das große Glück des christlichen Abendlandes ist, dass die PR-Abteilung der Roten noch schlechter ist als Waschmittelwerbung. Man könnte meinen, sie wollen gar nicht erfolgreich sein.


Betrachten wir doch mal den faszinierender Aspekt der Selbstreflexion. Die Linken sind so auf ihre historische Mission des Misserfolgs fixiert, dass sie sich öffentlich sogar als Materialisten ausgeben. Warum nur? Gerade der spirituelle Teil ihrer Ideologie bietet ein gewaltiges Werbepotenzial. Bei richtiger Auslegung ihrer Texte könnten sie heute schon die Welt regieren.

 


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An meiner Lieblingsstelle im zwölften Buche Karls zum Beispiel heißt es: Religion ist Opium fürs Volk. Hallo? Im Zuge meiner neusten Erkenntnisse ist die Passage nicht nur in einer Hinsicht brillant, sie erscheint auch unter einem anderen Aspekt als revolutionär. Hat Marx der kleine Scherzvogel andeuten wollen, dass es in einem anständigen sozialistischen Land nicht nur tüchtig was zu lachen gibt sondern auch noch Drogen für lau?

Ich trage auf Reisen weder Das Kommunistische Manifest noch Das Kapital mit mir herum, doch verdient die Stelle ja wohl erheblich mehr Aufmerksamkeit, als bisher gedacht. Sollte es sich als wahr herausstellen, meine bescheidene kleine Interpretation richtig sein, stünden dem Westen schwere Zeiten bevor. Wenn das heraus kommt, die Leute dürften kaum noch zu halten sein. Packt noch Sex und Rock and Roll oben drauf und es ist die heile Welt. Und einen solchen Heuler halten sie unterm Scheffel?

Hätten die Roten in der Vergangenheit etwas geschickter inseriert, hätte Erich in der FAZ Anzeigen geschaltet wie Kiffen unterm Roten Banner oder Drogen sind für alle da, wäre der Westen an die Ostzone angeschlossen worden und nicht umgedreht. Wie weit ging sein Sinn für Humor eigentlich?

Es ist das übliche Problem mit Religionen. Man kann sich schwer reinversetzten und mir Verstehen hat die Sache eh nichts zu tun.